Milliarden für Familien – Soziologe fordert radikales Umdenken

Familien finden kaum bezahlbaren Wohnraum, Freizeit für Eltern kommt zu kurz: Ein Soziologe rechnet mit der Familienpolitik ab. Er fordert, Familien wie Unternehmen zu fördern - mit milliardenschweren Ideen.

Deutlich mehr Geld für Familien fordert der Soziologe Stefan Schulz. Wenn alles marktwirtschaftlich organisiert sei, "dann bitte auch die Familie", sagte er im Interview der "Welt" (Freitag). So brauche es etwa andere Möglichkeiten für Immobilienfinanzierung: In Frankfurt gebe es bereits Fälle, in denen pro Kind 10 oder 20 Prozent von der Erbpacht abgezogen würden, wenn jemand ein Grundstück übernehme. Ebenso müsse es möglich sein, eine Förderung für Kindergeburtstage zu beantragen.

Konkret fordert Schulz eine Billion Euro jährlich für Familien: "Wie der Staat während der Pandemie für die Familie ausgefallen ist, sollte er jetzt einspringen." In der Politik fehle es an Bewusstsein für die Belange von Familien - auch, weil viele Spitzenpolitikerinnen und -politiker selbst kinderlos seien. Zugleich werde die Familie häufig als "heiliges Gefüge" betrachtet, in das der Staat sich nicht einmischen dürfe, das dadurch aber auch seine Selbstverständlichkeit verliere.

Die Corona-Zeit habe deutlich gemacht, welchen Stellenwert die Familie hierzulande habe, so der Autor, dessen Buch "Die Kinderwüste" kürzlich veröffentlicht wurde. "Alles, was während Corona nicht mehr stattfand, hat sich verlagert - und zwar als Arbeitslast auf die Familie. Betriebe zu? Homeoffice. Schule zu? Homeschooling. Restaurants zu? Homecooking. Daran sind sehr viele Familien einfach zerbrochen."

Weder Handwerksbetriebe noch Universitäten könnten es sich leisten, den zunehmenden Nachwuchsmangel zu ignorieren, fügte Schulz hinzu: "Der nächste Jahrgang wird nicht mehr kommen. Die Zäsur ist jetzt da." Daher müsse genau analysiert werden, welche Folgen etwa Unterrichtsausfall an Schulen habe. Auch bei Betreuungsangeboten im jüngeren Alter herrsche Nachholbedarf: "In Deutschland haben wir Kinderbetreuung - für die Zeit, in der die Mutter arbeiten geht. Was ist mit der Kinderbetreuung, wenn die Mutter Spaß haben will? Aber die Mutter darf keinen Spaß haben! Spaß hat gefälligst das Kind zu bringen. Das ist völlig absurd."

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