Mehr Angststörungen bei Mädchen

Die Zahl weiblicher Jugendlicher in Baden-Württemberg, die wegen einer Angststörung behandelt werden, ist seit 2019 um 55 Prozent gestiegen. Wie der am Freitag veröffentlichte Kinder- und Jugendreport der DAK zeigt, sind Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren besonders betroffen. Hochgerechnet auf das ganze Bundesland waren im Jahr 2024 rund 9.500 junge Frauen in dieser Altersgruppe wegen einer Angststörung in Behandlung. Die Zahl der chronischen Fälle, die eine dauerhafte Behandlung erfordern, nahm im selben Zeitraum sogar um 143 Prozent zu.

Auch andere psychische Erkrankungen bleiben auf einem hohen Niveau. Die Behandlungszahlen für Depressionen bei 15- bis 17-jährigen Mädchen stiegen im Vergleich zu 2019 um 35 Prozent, bei Essstörungen um 43 Prozent. Siegfried Euerle, Landeschef der DAK, bezeichnete die Ergebnisse als „ernstes Warnsignal“. Er mahnte umfassende Initiativen zur Stärkung der mentalen Gesundheit an. Psychische Erkrankungen im Jugendalter könnten später Ausbildung, Familie und Berufsleben belasten.

Experten sehen in der Entwicklung ein „Erbe der Pandemie“. Laut Jan Steffen Jürgensen vom Klinikum Stuttgart haben emotional instabile Entwicklungen und sozialer Rückzug vor allem bei Mädchen stark zugenommen. Als zusätzlichen Risikofaktor nannte er die gestiegene Nutzung Sozialer Medien. Idealbilder von Körper und Glück setzten Mädchen unter Druck und könnten psychische Erkrankungen verstärken.

Für den Report werteten Wissenschaftler die Abrechnungsdaten von rund 86.800 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg aus den Jahren 2019 bis 2024 aus. (0116/16.01.2026)

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