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Maori-Heiligtum kehrt nach 250 Jahren nach Neuseeland zurück

Seit über 250 Jahren ist es in Europa – ein rund ein Meter großes Holzschnitzwerk, in dem für Maori in Neuseeland ihre höchste Prinzessin Hinematioro gegenwärtig ist. Nun gibt die Uni Tübingen das Ahnenbild zurück.

Die Universität Tübingen gibt ein kunstvoll geschnitztes Ahnenbild an die Maori-Gemeinschaft in Neuseeland zurück. Das dort als Heiligtum verehrte Holzkunstwerk sei derzeit noch in einer Ausstellung in Tübingen zu sehen, wie die Universität am Dienstag mitteilte. Die Universität Tübingen werde es vermutlich im März an die Maori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti zurückgeben. 2024 hatte die neuseeländische Regierung ein formales Restitutionsbegehren gestellt.

“Ich bin froh, dass sich die Gremien der Universität ihrer historischen Verantwortung bewusst sind und eine Rückgabe der Skulptur beschlossen haben”, sagte Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne). Die Ministerin fügte hinzu: “Nicht nur in unseren Museen, sondern auch in unseren Universitätssammlungen befinden sich noch zahlreiche Kulturgüter aus kolonialen Kontexten, die in heute nicht mehr vertretbarer unethischer Weise erworben wurden.”

Für die indigene Maori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti verkörpert das Kunstwerk “die lebendige Präsenz der verehrten Ahnin und höchsten Prinzessin Hinematioro” und entspricht einem heiligen Schatz, wie die Universität Tübingen erklärte. Hinematioro lebte vor gut 250 Jahren in Neuseeland, zur Zeit der ersten Landung des britischen Seefahrers James Cook. Sie galt als charismatische Führungsfigur.

Das geschnitzte Ahnenbild “Hinematioro Pou” ist einen Meter hoch und 33 Zentimeter breit. Es zeigt eine stehende Figur, Ornamente und kunstvoll geriffelte Muster umspielen Zunge, Gesicht und Körper. Cook und seine Crew, die 1769 in Neuseeland landeten, brachten es den Angaben zufolge 1771 nach London. Von dort gelangte es über Umwege in die Ethnologische Sammlung der Universität Tübingen.

Victor Walker, Sprecher der Maori-Gemeinschaft, wird mit den Worten zitiert: “Wenn wir es berühren oder in seiner Nähe sind, spüren wir den Atem und die Präsenz unserer Ahnen und fühlen uns lebendig.” Die Gemeinschaft ist an der Ostküste der Nordinsel Neuseelands zuhause und verfügt wie jede Maori-Gemeinschaft über mehrere “Pous” in ihrem Versammlungshaus.

Das “Hinematioro Pou” war 2019 erstmals auf Leihbasis nach Neuseeland zurückgekehrt, wo es in einer bewegenden Zeremonie empfangen worden war. Damals wurde es zur 250-Jahr-Feier der Cookschen Landung nach Neuseeland ausgeliehen, wurde aber danach – beispielsweise auch 2023 – wieder in Tübingen gezeigt.