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Landeskirchen-Finanzchef: Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend

Die Kirchensteuereinnahmen der bayerischen evangelischen Landeskirche werden laut Oberkirchenrat Patrick de La Lanne in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Die gute Konjunktur habe die sinkenden Mitgliedszahlen bislang noch teilweise aufgefangen, „jetzt aber schwächelt die Wirtschaft“, sagte der landeskirchliche Finanzchef im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für dieses und kommendes Jahr rechne er mit je 770 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen, 2022 hätten sie noch bei 802 Millionen Euro gelegen.

Bis 2035, so seine Prognose, sinken die Kirchensteuereinnahmen weiter auf 700 Millionen Euro. „Die Kaufkraft der Kirchensteuereinnahmen wird dann angesichts der Tarif- und Preissteigerungen um mehr als 30 Prozent unter der heutigen Kaufkraft liegen“, erläuterte de La Lanne. „Und das ist dramatisch, denn die Kirchensteuereinnahmen machen 80 Prozent unserer Gesamteinnahmen aus.“ Bei der Herbsttagung ab 23. November in Amberg wird die Landessynode, das Kirchenparlament der rund zwei Millionen Protestanten in Bayern, über den landeskirchlichen Haushalt beraten.

Auch die Zahl der Kirchenmitglieder geht weiter zurück: von einst 2,7 Millionen im Jahr 2003 auf derzeit rund 2 Millionen bis hin zu 1,6 Millionen im Jahr 2035. Dazu kämen 40 Prozent weniger hauptamtliches Personal und 50 Prozent weniger Immobilien. „Das bedeutet, dass die Kirche in zehn Jahren eine andere sein wird als heute. Auch wenn wir uns das jetzt noch nicht vorstellen können“, sagte de La Lanne. Die Landeskirche sei aktuell damit beschäftigt, zu erarbeiten, „auf welche Schwerpunkte wir uns künftig konzentrieren und welche Aufgaben gekürzt oder gar nicht mehr wahrgenommen werden sollen“.

Die finanzielle Entwicklung der Landeskirche hat auch Auswirkungen auf die Gesellschaft: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, welche wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Bedeutung die Kirchen haben. Ohne sie gäbe es weniger Kindergärten, Pflegeheime oder sonstige Sozialeinrichtungen. Ohne sie würde eine wichtige gesellschaftliche und soziale Stütze wegfallen – und übrigens auch Arbeitsplätze“, sagte de La Lanne. Kirchen in anderen Ländern verfügten bei Weitem nicht über die Infrastruktur an Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und Pflegeheime wie hierzulande. „Die Kirchen in Deutschland sind als sozialer Akteur daher etwas Besonderes.“(3575/16.11.2025)