Landesbischöfin vermisst Reue bei Missbrauchstätern

Im Vaterunser heißt es "Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Doch was heißt das bei sexuellem Missbrauch? Badens evangelische Landesbischöfin sieht "Grenzen menschlicher Vergebungsfähigkeit".

Die badische Landesbischöfin Heike Springhart beklagt eine fehlende Bereitschaft bei Missbrauchstätern, ihr Tun zu bereuen und um Vergebung zu bitten. Das geschehe in Fällen sexualisierter Gewalt oft nicht, sagte Springhart in einem Interview der Zeitschrift "Publik-Forum" (Freitag).

Dabei verwies sie auf die im Januar 2024 veröffentlichte, erste bundesweite Studie zu sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und der Diakonie ("Forum"-Studie). Diese habe gezeigt, dass es in den Gemeinden oft die Haltung gebe, "wonach ein guter Christenmensch grundsätzlich vergibt", so Springhart. "Da würde ich sagen: Der Vergebung muss auf jeden Fall die Bitte um Vergebung vorausgehen und die Reue dessen, der um Vergebung bittet. Das passiert bei sexualisierter Gewalt oft ja gar nicht."

Selbst wenn jemand um Vergebung bittet, bleibe es letztlich "die Entscheidung der Person, die um Vergebung gebeten wird, ob sie diese gewährt oder nicht", betonte die 50-jährige Theologin, die seit 2022 Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden ist.

Die Kirche müsse "die Grenzen von menschlicher Vergebungsfähigkeit" theologisch begründen und zwischenmenschliche Vergebung unterscheiden von der Vergebung zwischen Gott und Mensch. Für Letztere könne die Kirche "auf ein Gericht Gottes verweisen".

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