In Zusammenarbeit mit dem Kinoportal filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission bietet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) Kurzkritiken zu Filmen an, die ab Donnerstag, 7.März, in den deutschen Kinos anlaufen - sortiert nach Bewertung (siehe unten) und bei gleicher Anzahl der Sterne nach Alphabet:
Als Filmemacherin, Publizistin, politische Aktivistin und Mitinitiatorin der neuen westdeutschen Frauenbewegung hat Helke Sander Geschichte geschrieben. Mit über 80 Jahren macht sie sich in Begleitung der Filmemacherin Claudia Richarz jetzt ans Aufräumen. Der Film verbindet in einer klugen Montage Archivmaterialien und Ausschnitte aus dem Werk der Filmemacherin mit einer persönlichen Rückschau auf vergangene Kapitel ihres Lebens und Arbeitens. Die präzisen Beobachtungen der Protagonistin über Machtverhältnisse und strukturelle Ausschlüsse erweisen sich noch immer als aktuell. - Sehenswert ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/621428/helke-sander-aufraumen
Eine junge Künstlerin stößt in der indischen Stadt Ahmedabad auf das titelgebende Buch der Sozialreformerin Rokeya Hossain, die schon 1905 eine utopische Vision einer Welt entwarf, in der Frauen angstfrei leben und öffentliche Ämter bekleiden, während die Männer den häuslichen Bereich nicht verlassen. Der Film entwirft drei parallele Geschichten über die Künstlerin, die Sozialreformerin und die von ihr entworfene Gesellschaftsvision, wobei für jeden Erzählstrang unterschiedliche Animationsarten von 2D über die Cut-Out-Technik bis zum Mehndi-Stil verwandt werden. Eine intime, mit viel Fantasie und animatorischem Einfallsreichtum entfaltete Entwicklungsgeschichte, die im Kern vom Ist-Zustand der Beziehung zwischen Männern und Frauen handelt. - Sehenswert ab 16.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/621538/sultanas-traum
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Ein in Chicago lebender Israeli kehrt nach dem Tod seines Vaters nach Tel Aviv zurück und nimmt zögerlich mit einem Jugendfreund Kontakt auf, der zusammen mit seiner Verlobten einen Blumenladen betreibt. Als der Freund bei einem gemeinsamen Ausflug so unglücklich stürzt, dass er in ein Koma fällt, sucht der Mann die Nähe zu der jungen Frau. Ein sensibel und feinfühlig inszeniertes Drama über unbewältigte Traumata und heimliche Gefühle, bei dem man die Beziehungen der schweigsam-scheuen Figuren selbst entschlüsseln muss. Dabei helfen das vom Setdesign präzise umrissene Umfeld der Menschen und kunstvolle Blumenarrangements, die die jeweilige Stimmung unterstreichen. - Ab 16.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/622237/america-2022
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Die gebürtige Australierin Helen Britton ist eine herausragende Schmuckkünstlerin, die auch aus vermeintlich banalen Objekten bemerkenswerte Arbeiten erschafft. Der Dokumentarfilm folgt über mehrere Jahre der zwischen Australien, ihrer Wahlheimat München und der Welt herumreisenden Künstlerin und kann sich auf deren Charisma und Einfallsreichtum verlassen. Ohne auferlegtes Konzept überlässt sich der Film dem Rhythmus seiner Protagonistin und unterstützt deren Überzeugung, gerade in unscheinbaren Gegenständen verborgene Werte zu entdecken. - Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/619753/hunter-from-elsewhere-a-journey-with-helen-britton
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Anfang des 20. Jahrhunderts betreibt die junge Ärztin Maria Montessori mit einem Kollegen in Rom eine Art pädagogisches Internat, in dem (lern-)behinderte Kinder gefördert werden, und entwickelt eine revolutionäre neue Lernmethode. Zugleich kann sie sich aus gesellschaftlichen Rücksichten nicht zu ihrem Verhältnis mit einem Kollegen und dem gemeinsamen Sohn bekennen. Der sorgfältig fotografierte und gestaltete Historienfilm führt Maria Montessoris Verdienste wie die Grenzen ihrer Emanzipation vor Augen, ohne didaktisch zu werden. In der Spiegelung mit einer zweiten Frau und Mutter treten die rigiden Moralvorstellungen der damaligen Gesellschaft plastisch hervor. - Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/622136/maria-montessori-2023
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In Nordindien flieht eine Hausfrau aus der Kaste der "Unberührbaren" aus ihrem Dorf, um ihrer Tochter das Elend zu ersparen. In Italien will eine junge Frau die hochverschuldete Perückenwerkstatt ihres Vaters vor dem Bankrott retten. In Kanada steht eine ehrgeizige Anwältin kurz vor der Beförderung, als sie an Krebs erkrankt. Die schwungvolle Romanadaption verknüpft die drei Erzählstränge mit einem flotten Rhythmus und überzeugt als Hommage an den Mut der Frauen, mit soliden Darstellerleistungen und präzisen Milieuschilderungen. Dem stehen sentimentale Anflüge, eine zum Pathos neigende Filmmusik und eine gewisse Vorhersehbarkeit der Handlung entgegen. - Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/621423/der-zopf
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Nach dem Tod ihres Vaters kehrt eine junge Frau in ihr Heimatdorf nach Georgien zurück und übernimmt dessen Job als Schaffner einer Seilbahn. Dabei verliebt sie sich in eine Kollegin. Während ihrer täglichen Fahrten schmücken sie ihre Gondeln fantasievoll aus, um sich gegenseitig zu beeindrucken. Ihr Flirt verärgert aber den Stationsvorsteher, der ebenfalls gerne mit ihnen anbandeln würde. Die märchenhaft-burleske Romanze kommt fast ohne Dialoge aus und wartet mit charmanten Hauptdarstellerinnen, einer großen Fabulierfreude, idyllischen Schauplätzen und einer zauberhaften Poesie auf. Die magere Story, repetitive Passagen und rührselige Anflüge werden dadurch weitgehend aufgewogen. - Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/621807/gondola
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Die Frauen Haydee Arteaga Rojas, Nermin Abadan-Unat, Nanammal Amma, Tamar Eshel und Ilse Helbich leben bereits seit über einem Jahrhundert. Mit ihrer außergewöhnlichen Willenskraft haben sie sich gegen vielfältige gesellschaftliche Widerstände durchgesetzt und alle auf ihre eigene Weise Großes geleistet. Die aneinander gestückelt wirkende Dokumentation stellt die fünf außergewöhnlichen Persönlichkeiten aus Kuba, Israel, Österreich, Indien und der Türkei vor. Unter der vermeintlichen Gemeinsamkeit einer "Frauenpower" werden jedoch alle geografischen, politischen und gesellschaftlichen Unterschiede ignoriert und unter dem Label "Jahrhundertfrauen" wenig hilfreich subsumiert. - Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/622126/ihr-jahrhundert-frauen-erzahlen-geschichte
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ZU DEN BEWERTUNGEN NACH ANZAHL DER STERNE:
5 Sterne: herausragend, ein Meisterwerk
4,5 Sterne: eindrucksvoll, ausgefeilt, lange nachwirkend
4 Sterne: sehr gut, ambitioniert, lohnenswert
3,5 Sterne: beachtlich, gekonnt, anregend
3 Sterne: solide und interessant
2,5 Sterne: ganz okay, guter Durchschnitt
2 Sterne: wenig aufregend, Mittelmaß
1,5 Sterne: inkonsequent, mit Schwächen
1 Stern: dürftig, enttäuschend
0,5 Sterne: schlicht, dilettantisch
0 Sterne: ärgerlich, anstößig, eine Zumutung