Konstantin Wecker will bewusst sterben – Musiker kämpft mit Verlust

Der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker kann wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr Klavierspielen. Dennoch hat er noch viel vor; aber seine Kult-Ballade "Willy" wird nicht mehr zu hören sein.

Konstantin Wecker (78), Liedermacher, will nach eigenen Worten das Sterben sowie den Tod bewusst und nicht im Suff erleben. Das sei mit ein Grund gewesen, warum er einen Alkoholentzug gemacht habe, sagte der Künstler der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenende). Schon seit langer Zeit engagiere er sich für Hospiz-Einrichtungen. Dabei habe er mit vielen Betreuerinnen und Begleiterinnen gesprochen. "Und wenn die erzählen, dass immer, wenn jemand gestorben ist, ein Luftzug durch den Raum geht, fast so, als würde die Seele entweichen, dann ist das schon faszinierend."

In diesem Zusammenhang müsse er auch immer an die Hungergeister aus der buddhistischen Lehre denken, erklärte Wecker: "Diese traurigen Gestalten, die in ihrem Leben viel zu maßlos waren und nun nach dem Tod dick und aufgebläht mit viel zu kleinen Mündern und Hälsen an Zapfhähnen sitzen und unter großen Schmerzen leiden, weil sie niemals satt werden." Er wolle jedenfalls nicht als Hungergeist enden und hoffe im Jenseits liebevoll empfangen zu werden.

Auf die Frage, ob er, falls der Tod in Gestalt des "Boandlkramers" an die Tür klopfe, anstandslos folgen würde, sagte der Liedermacher: "Ich habe schon noch einiges vor." Gut zweieinhalb Jahre würde er noch gerne heraushandeln wollen. In seinen Konzerten seien viele junge Menschen im Publikum, "die ich gerade in diesen beängstigenden Zeiten ermutigen möchte, sich zu wehren und Nein zu sagen zu Krieg und Faschismus und Ja zu sagen zur Liebe und zum Leben". 2026 stehe seine Tour "Der Liebe zuliebe" durch Deutschland, Österreich und die Schweiz an. Zu seinem 80. Geburtstag wolle er mit den Münchner Symphonikern sein Gesamtwerk in der Isarphilharmonie aufführen.

Im Interview gab Wecker auch bekannt, dass er wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr Klavierspielen könne. Vor allem die linke Hand habe immer wieder Ausfälle gehabt. Ihm gelängen nur noch ganz einfache Melodien. "Wie ein kleines Kind. Wie ein Anfänger. Mehr ist nicht mehr drin. Und vermutlich wird das auch nicht mehr. Es gibt keine Aussicht auf Heilung." Bei seinen Auftritten habe er mit Jo Barnickel seit mehr als 30 Jahren einen großartigen Begleiter an seiner Seite. So könne er sich ganz dem Gesang und seiner Poesie widmen.

"Die einzige Ausnahme ist der 'Willy', da könnte ich niemand sonst ans Klavier lassen. Den muss ich einfach selbst spielen. Aber ich kann es nicht mehr. Der Willy ist nun Geschichte", sagte der Musiker. Wenn kein Wunder geschehe, werde er dieses Lied, das sich gegen Neonazis und rechte Gewalt wendet, nicht mehr spielen. Am Klavier zu sitzen sei für ihn stets pure Meditation gewesen. "Ich habe dabei nie geübt, ich habe einfach gespielt, mich gänzlich verloren in der Musik. Oft drei Stunden am Stück. Diesen Verzicht zu akzeptieren, ist eine extrem harte Herausforderung."

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