Nach einem Angriff von Rebellen auf eine indigene Gemeinschaft in Kolumbien hat die Regierung die Feuerpause mit den EMC-Kämpfern ausgesetzt. Ab dem 20. März würden die Einsätze gegen die größte Dissidentengruppe der ehemaligen Farc-Guerilla in einigen Regionen wieder aufgenommen, erklärte Verteidigungsminister Iván Velásquez am Sonntag (Ortszeit) laut der Zeitung „El Espectador“. Die Waffenruhe galt seit Januar und war Teil des Versuchs von Präsident Gustavo Petro, das Land nach Jahrzehnten des Krieges zu befrieden.
Der Teil der Rebellengruppe, der im Westen des Landes operiert, hatte am Samstag eine Indigenen-Gruppe im Departement Cauca angegriffen, eine Anführerin der Ureinwohner getötet und mehrere Menschen verletzt. Die Feuerpause werde deshalb gegen den „West-Block“ der EMC-Guerilla ausgesetzt. In anderen Regionen des Landes bleibe sie bestehen.
Nach Angaben des Indigenenrates des Cauca (Cric) verschleppte die Guerilla einen Jungen. Als die Indigenen-Selbstverteidigung ihm zu Hilfe eilte, schossen die Rebellen mehrfach auf die Ureinwohner. Der Junge konnte demnach befreit werden.
Präsident Petro verurteilte den Angriff und erklärte, der „West-Block“ sei nie ernsthaft an einem Friedensprozess interessiert gewesen. Für Petro ist diese Entwicklung ein weiterer herber Rückschlag in seinem Vorhaben, mit allen verbliebenen Rebellengruppen und paramilitärischen Milizen Frieden zu schließen.
Seit den 60er Jahren herrscht in Kolumbien ein blutiger Konflikt zwischen Regierung, Rebellen und Paramilitärs, bei dem etwa 300.000 Menschen getötet und sieben Millionen vertrieben wurden. Mit der großen Farc-Guerilla schloss die Regierung 2016 ein Friedensabkommen. Die EMC, die von Néstor Gregorio Vera Fernández, alias Iván Mordisco, angeführt wird, hatte sich den Verhandlungen verweigert. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe 3.000 Kämpfer. Nach anderen Quellen sind es einige hundert. Die Gruppe ist vor allem im Süden und Osten des Landes aktiv. Haupteinnahmequelle soll der Drogenhandel sein.