Der Mainzer katholische Bischof Peter Kohlgraf hat den verstorbenen Papst Franziskus als einen großen Menschen und inspirierenden Christen gewürdigt. Franziskus sei es immer um den einzelnen Menschen und dessen Würde gegangen, sagte Kohlgraf am Samstagabend bei einer Totenmesse für ihn im Mainzer Dom. Besonders Franziskus' Besuch von Flüchtlingen auf der italienischen Insel Lampedusa zu Beginn seines zwölfjährigen Pontifikats bleibe im Gedächtnis. Dort habe er öffentlich um Tausende ertrunkene Flüchtlinge getrauert.
Es habe seitens des Papstes viel Mut dazu gehört, einen synodalen Prozess zu beginnen, um mehr Mitbestimmung von Laien zu ermöglichen, sagte der Mainzer Bischof. „Er hat eine neue Kultur der Diskussion und des Miteinanders in der Kirche angeregt, er wollte eine synodale Kirche, die nicht vom Machtgefälle zwischen Oben und Unten geprägt ist, sondern vom gemeinsamen Auftrag, das Evangelium in Tat und Wort zu verkünden.“ Franziskus sei es nicht um die Bewahrung von Strukturen in der katholischen Kirche, sondern um den aktiven, gelebten Glauben gegangen.
„Er kannte die Theologie, war aber kein weltenthobener Gelehrter“, würdigte Kohlgraf. Gerade in Deutschland habe der im Alter von 88 Jahren gestorbene Papst manche Reformerwartung enttäuscht, was wohl nicht nur an ihm liegen gelegen sei. „Es kann auch an einer Erwartung liegen, die den weltkirchlichen Auftrag eines Papstes missversteht oder auch missverstehen will“, sagte Kohlgraf. „Der Papst 'vom Ende der Weltʼ hat uns Deutschen ziemlich deutlich gemacht, dass unsere Wünsche und Meinungen nicht der alleinige Schlüssel zum kirchlichen Weltverständnis sind.“