Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Verarbeitung von Traumata präsentieren derzeit die Kölner „Kunstsäulen“. Unter dem Titel „Fake It Till You Make It, Fake It Till You Die“ zeigt die Künstlerin Suse Itzel auf den ehemaligen Litfaßsäulen eine Arbeit, die das Thema Traumabewältigung auf „eindrucksvolle und berührende Weise in den Fokus rückt“, wie die Stadtverwaltung am Mittwoch ankündigte. Ihre Arbeit, deren Titel etwa „Täusche vor, bis Du es schaffst, täusche vor, bis Du stirbst“ bedeutet, hat Therapiebögen, Notizen und Gesprächsausschnitte aus der eigenen Trauma-Konfrontationstherapie und Psychoedukation zur Basis, die sie textlich und visuell überarbeitet und gestaltet hat.
Mit ergänzenden Fragen, Versprechungen und Kommentaren, die Itzel mit großen Buchstaben vornimmt, interveniert die Künstlerin direkt in die klinischen Unterlagen, die sie im Rahmen ihrer Therapie genutzt hat. Diese Eingriffe stellen eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Erwartungen und den Heilungsversprechen aus Coaching-Angeboten der sozialen Medien dar.
Eine ausgewählte Serie von 18 Therapiebögen wird in Form eines Tableaus auf der Fläche von 360 Grad auf den neu gestalteten Litfaßsäulen gezeigt. Die Arbeit ist ab sofort an allen 27 Standorten der Kölner „Kunstsäulen“ zu sehen.
Die Künstlerin Suse Itzel wurde in Neuss geboren und studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg sowie der Kunsthochschule für Medien Köln. Der Schwerpunkt ihres Postgraduiertenstudiums lag auf dem literarischen Schreiben. In ihrem Diplomfilm setzte sich Itzel den Angaben zufolge mit dem sexuellen Missbrauch auseinander, den sie als Kind und Jugendliche erdulden musste.
Die Stadt Köln kooperiert mit der Kunsthochschule für Medien und dem Medienhaus Ströer seit Ende März 2019 bei der Aktion „Kunst an Kölner Litfaßsäulen“. Bürger, Ämter, Gremien und die Freie Szene hatten sich für die Fortsetzung der Kunst im öffentlichen Raum und die Nutzung der Litfaßsäulen für Kunstprojekte eingesetzt.