Klinikverband fordert weniger Krankenkassen und Verwaltungskosten

Der Deutschen Krankenhausverband klagt über miserable Finanzen und macht Sparvorschläge - auch für die Gesetzliche Krankenversicherung. So dringt der Verband auf eine Reduktion der Krankenkassen und Verwaltungskosten.

Jede zehnte Krankenkasse kann aus Sicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft geschlossen werden. Ebenfalls sollten kleinere Interessensverbände abgeschafft werden, da es den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gebe, erklärte die Vize-Vorstandsvorsitzende des Krankenhausverbands, Henriette Neumeyer, am Donnerstag in Berlin.

In den vergangenen Jahren sei die Anzahl der Beschäftigten etwa beim GKV-Spitzenverband, im Bundesgesundheitsministerium, beim Medizinischen Dienst, aber auch bei Interessensvertretern wie der Deutschen Krankenhausgesellschaft deutlich gestiegen. Ein Schritt sei, die Verwaltungskosten der GKV einzufrieren.

Die Anzahl der Krankenkassen hat sich seit den 1970er-Jahren nach Angaben des GKV-Spitzenverbands bereits deutlich reduziert. Waren es 1970 noch rund 1.800 Krankenkassen, sank die Zahl auf etwa 1.150 im Jahr 1990; im Jahr 2000 waren es noch 420 Kassen, aktuell gibt es 93 Krankenkassen bundesweit.

Weiter schlägt der Deutsche Krankenhausverband vor, Leistungen der Krankenversicherung stärker auf Wirksamkeit zu überprüfen. Als Beispiel nannte Neumeyer homöopathische Behandlungen. Auch Werbemaßnahmen oder versicherungsfremde Leistungen dürften nicht durch die Kassen finanziert werden. Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sollten von der Mehrwertsteuer befreit werden.

Es könne sicher auch im Krankenhaussektor gespart werden, auch wenn der Anteil der Krankenhauskosten an den GKV-Gesamtkosten eher zurückgegangen sei. "Die beste Krankenhausbehandlung ist die, die niemals anfällt", so Neumeyer. Daher müsse insbesondere die Prävention gestärkt werden. Das betreffe den Tabak- und Alkoholkonsum, gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Zugleich brauche es ein starkes Primärversorgungssystem über die Hausärzte und vorrangig fachärztliche Behandlungen in den Kliniken. Patienten blieben zu lange in deutschen Krankenhäusern.

Im Krankenhausbereich sollten die Personalvorgaben dereguliert werden, forderte der Vorstandsvorsitzende des Krankenhausverbands, Gerald Gaß. Auch die Standortregelung müsse überdacht werden. Derzeit gelte jeder Klinikstandort, der mehr als zwei Kilometer vom nächsten entfernt sei, als eigenständig und müsse entsprechend sämtliche Vorgaben erfüllen. Es brauche aber mehr Kooperationen und weniger Regulierung. Als Beispiel nannte Gaß Klinikstandorte in Berlin, die aufgrund der Entfernungsregelung sämtliche Fachbereiche vorhalten müssten, statt sich spezialisieren zu dürfen.

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