Kirchenpräsidentin Wüst: Reformen mit Lust auf Zukunft annehmen

Pfälzer Synode diskutiert über Strukturveränderungen bis 2035

Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat die Notwendigkeit von Strukturveränderungen für eine mitgliederorientierte Kirche betont. „Wir haben uns in der Sicherheit volkskirchlicher Existenz gewiegt und nicht sehen wollen, dass ein Großteil des Volkes nicht mehr weiß, wozu es uns gibt und wozu sie uns brauchen sollen“, sagte Wüst am Donnerstag zum Auftakt der pfälzischen Landessynode in Speyer. Die Synodalen diskutieren auf ihrer bis Samstag dauernden Tagung in der Eventhalle „Hangar 10“ im Technik-Museum über weitreichende Einschnitte.

Facharbeitsgruppen stellten den Synodalen zwei Modelle zu Strukturreformen in der Fläche vor, die diese weiter besprechen. Demnach sollen die 394 Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz nicht mehr den Körperschaftsstatus des öffentlichen, sondern des kirchlichen Rechts haben. Auch soll es nur noch vier statt 15 Kirchenbezirken geben. Ziel ist unter anderem eine Verschlankung der Verwaltung. Auch die Gemeinwesen-Diakonie in den Kirchengemeinden solle gestärkt werden.

„Beide Modelle machen unsere Kirche schlanker, besser verwaltbar, agiler im Personaleinsatz und damit ressourcensparender“, sagte Kirchenpräsidentin Wüst. Die Pfälzer Kirche wolle zwar möglichst selbstständig bleiben, arbeite aber an Kooperationen mit anderen Landeskirchen.

Wüst sprach den Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche Mut zu, ihre Aufgaben in schwierigen Zeiten mit einer „Lust auf Zukunft“ anzunehmen. Große Probleme verursachten die Personalkosten und der Unterhalt von oftmals sanierungsbedürftigen Gebäuden. „Die Kirche, die wir haben, ist nicht mehr zu bezahlen. Das ist die simple Wahrheit“, sagte Wüst. Um das Einsparziel zu erreichen, sei „ein echter Umbau“ nötig. Dieser müsse kirchliche Kernbereiche wie Kirchengemeinden, Kirchenbezirke und den Speyerer Landeskirchenrat betreffen.

Viele Menschen in der Kirche sehnten sich nach Veränderungen, sagte Wüst. Oberste Priorität im Reformprozess müsse es sein, dass die Kirche ihre Arbeit für die Bedürfnisse der Menschen leisten könne. Die Kirche sei nicht „irgendein Verein mit Finanzierungsproblemen, sondern Gottes Kirche für die Menschen, in seinem Auftrag unterwegs, mit seiner frohen Botschaft im Gepäck und mit dem gottgegebenen Potenzial, ein Segen für die Welt zu sein“, so Wüst.

Im Zuge ihrer bis 2035 angelegten Reformen („Priorisierungsprozess“) will die rund 443.000 Mitglieder zählende Landeskirche vor dem Hintergrund zurückgehender Mitgliederzahlen und finanzieller Mittel mindestens 45 Prozent ihres Haushalts - rund 60 Millionen Euro - einsparen. Die Landessynode will auf ihrer kommenden Frühjahrstagung im Mai 2025 beschließen, welche Arbeitsbereiche in welcher Höhe von Einsparungen betroffen sein werden.

👋 Unser Social Media