Die Evangelische Kirche der Pfalz will bei ihrer Frühjahrssynode von 21. bis 24. Mai in Speyer Strukturveränderungen auf den Weg bringen. Bei ihrer Tagung wollten die Synodalen Empfehlungen („Eckpunkte“) für Reformen beschließen, sagte Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst am Dienstag in Speyer bei einem Pressegespräch. Diese Empfehlungen waren von Arbeitsgruppen erarbeitet worden. In ihrem Transformationsprozess will sich die Pfälzer Kirche angesichts rückgängiger Ressourcen und Mitgliederzahlen neu ausrichten. Bis 2035 will sie 45 Prozent ihres Haushalts - rund 60 Millionen Euro - einsparen.
Bei allen Bemühungen zur finanziellen Konsolidierung und zum Umbau hin zu einer „schlankeren, aber nicht schwächeren Kirche“ stünden die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt, betonte Kirchenpräsidentin Wüst. Bei dem Reformprozess werde es auch zur Zentralisierung von Verwaltungsaufgaben sowie der Streichung von Aufgabenfeldern und Personalstellen kommen. Die Pfälzer Kirche stehe an einem Wendepunkt, der auch mit einer Stärkung des Ehrenamts „neue Chancen bietet, an vielen Stellen lebendiger Kirche zu sein“, sagte Wüst.
Die Kirchenleitung nehme Ängste und Befürchtungen aus den Kirchengemeinden, Dekanaten und kirchlichen Einrichtungen ernst und versuche, alle Beteiligten im Reformprozess mitzunehmen, betonte Wüst. Kernpunkte der Empfehlungen für die Synode seien die Zusammenfassung der 15 Kirchenbezirke zu vier größeren Einheiten und die Reduktion der mehr als 420 Körperschaften öffentlichen Rechts: Die Ortskirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz sollen demnach den Status des kirchlichen Rechts erhalten - mit weniger Verantwortung etwa für Gebäude oder Verwaltung.
Auch in der Kirchenverwaltung würden Aufgaben gebündelt, um Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern, sagte Wüst. Für die 246 protestantischen Kindertagesstätten solle es einen zentralen Träger geben. Die Dienstortpflicht von Pfarrerinnen und Pfarrerinnen solle aufgegeben werden: Pfarrpersonen müssten demnach nicht mehr im Pfarrhaus wohnen, sondern in einem 30-Minuten-Radius. Nicht genutzte Pfarrhäuser könnten vermietet werden.
Die kirchliche Trägerschaft für das Evangelische Trifels-Gymnasium im südpfälzischen Annweiler soll laut den Empfehlungen für die Synode erhalten bleiben. Die Arbeit des Diakonischen Werks Pfalz solle mit vermehrt mobilen und digitalen Angeboten in den Regionen weitergeführt werden. Mit den benachbarten evangelischen Landeskirchen gebe es zudem Gespräche über weitere Kooperationen bis hin zu möglichen Fusionen in der Zukunft, informierte Wüst.
Finanzdezernentin Karin Kessel erläuterte den weiteren Fortgang des Reformprozesses: Der Pfälzer Synode würden auf ihrer Herbsttagung im November Gesetzesentwürfe zur Entscheidung vorgelegt. In einem möglichen Stellungnahmeverfahren könnten sich 2026 die Bezirkssynoden und die Kirchengemeinden dazu äußern, sagte die Oberkirchenrätin. Die Synode werde dann weitere Gesetze und gegebenenfalls eine Verfassungsänderung wegen einer möglichen Änderung des Körperschaftsstatus der Gemeinden beschließen.