Ist die telefonische Krankschreibung ein Problem für den deutschen Arbeitsmarkt? Die Kinder- und Jugendärzte sagen klar Nein. Vielmehr entlaste sie Eltern und Ärzte.
In einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sähen die Kinderärzte eine politische Fehlentscheidung. "Die telefonische Krankschreibung ist für Eltern ein großer Gewinn, da sie dadurch ihre kranken Kinder nicht mehr in die Praxis bringen müssen und dort teils Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, sondern ungestört zu Hause pflegen können", sagte der Bundessprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärztinnen und Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.
Für die Praxen habe es den Vorteil, dass nur leicht erkrankte Kinder nicht immer untersucht werden müssten und mehr Zeit für schwerer erkrankte Kinder bleibe. "Die Regierung spricht immer davon, dass sie Bürokratie abbauen möchte. Mit der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung würde mal wieder das Gegenteil passieren", klagte Maske.
Selbstverständlich sei eine telefonische Krankschreibung nur bei leichten Erkrankungen möglich und auch nur bei Kindern, die der Praxis bekannt seien. Die telefonische Krankschreibung sollte aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte daher nicht nur bleiben, sondern idealerweise auch digital ermöglicht werden, wie es bereits bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für Erwachsene der Fall sei.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte eine Debatte über die hohe Zahl an Krankentagen der deutschen Arbeitnehmer angestoßen und eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ins Spiel gebracht. Je nach Krankenkasse variiert die Zahl der durchschnittlichen Krankschreibungen von 19 bis teils 22 Tagen und mehr pro Jahr.
Aus Sicht der Kassen liegt dies aber vorrangig an Langzeitkrankmeldungen. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse dauerten 2024 rund 38 Prozent aller Krankmeldungen weniger als vier Tage, machten aber nur 7 Prozent aller Fehltage aus, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete.