Die im Zuge der Cannabis-Legalisierung beschlossene Amnestie für Drogenstraftäter belastet die deutsche Justiz offenbar stärker als erwartet. Laut einer Erhebung des Deutschen Richterbunds in den Bundesländern müssen Staatsanwaltschaften insgesamt 279.000 Altfälle überprüfen, wie der Geschäftsführer des Verbandes, Sven Rebehn, der Augsburger Allgemeinen sagte. „Das Cannabisgesetz stellt sich für die Justizpraxis als das befürchtete Bürokratiemonster heraus“, kritisierte er. Zunächst waren die Behörden von etwa 200.000 zu überprüfenden Strafakten ausgegangen.
„In einer Zeit, in der die Verfahrenszahlen bei den Staatsanwaltschaften immer neue Höchststände erreichen und die angespannte Sicherheitslage mehr denn je einen wehrhaften Rechtsstaat erfordert, wird die Justiz durch ein unausgegorenes Gesetz noch zusätzlich belastet“, rügte Rebehn. Mit 86.000 Fällen entfallen laut der Erhebung des Richterbunds die meisten Überprüfungen auf das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern (41.500) und Hessen (34.000).
