Kunstwerke in der Steinzeitanlage Ggantija, der spektakulären Festung Cittadella oder einer Windmühle: Zum zweiten Mal findet in diesem Jahr die Kunst-Biennale in Malta statt, vom 11. März bis 29. Mai. Sie steht unter Schirmherrschaft der Unesco. „Malta vermählt die Gegenwartskunst mit dem Kulturerbe“, sagt Russell Muscat von „Heritage Malta“. Die wiederkehrende Schau, die auf der Mittelmeerinsel 2024 ins Leben gerufen wurde, ist nur eine von vielen neuen Großausstellungen unter dem Label „Biennale“.
Der Boom von Kunstbiennalen weltweit ist seit den 1990er Jahren ungebrochen. Rund 60 Neugründungen allein zwischen 2015 und 2020 ermittelte Melanie Vietmeier, heute Kuratorin im Münchener Lenbachhaus, in ihrer Studie „Biennalen als Seismograph“. Weltweit konkurrieren laut dem Institut für Auslandsbeziehungen, das die Studie herausgab, „mehr als 300 zyklische Ausstellungsformate“.
Mitunter bekommen bei Biennalen Tanz, Architektur und andere Kunstformen eine Bühne, im Allgemeinen aber bezeichnet das Format kuratierte Großausstellungen mit oft mehreren hundert Künstlern und Künstlerinnen. Mit Ausnahme von Wanderbiennalen finden sie an einem bestimmten Ort traditionell im Zweijahresturnus statt und verstehen sich als Leistungsschauen. Bilanziert wird, wie eine Nation auf die eigene und internationale Kunstproduktion blickt.
Bereits im Jahr 1895 wurde die traditionsreiche Biennale von Venedig gegründet. Zu den jüngsten zählt neben Maltas Vorstoß die „Biennal B“ auf Mallorca, die mahnt, dass es keinen Planeten B gibt. Sie debütierte 2025, ist orientiert an lokalen Bedürfnissen und sieht sich auch als eine Antwort auf die Angst vieler Mallorquiner, vom Tourismus überrollt zu werden.
Die Biennale Venedig ist bis heute der größte Kunst-Wettstreit der Nationen, ausgetragen in Räumlichkeiten, die Pavillons heißen. Die 61. Ausgabe beginnt am 9. Mai und dauert bis zum 22. November, der deutsche Beitrag wird von den Künstlerinnen Henrike Naumann und Sung Tieu gestaltet, Kuratorin ist die Direktorin des Georg Kolbe Museums in Berlin, Kathleen Reinhardt.
Im Gegensatz zu dieser „Mutter der Biennalen“ ist die Whitney Biennale - die älteste ihrer Art in den USA - hinsichtlich der Teilnehmeridentitäten eine US-amerikanische Veranstaltung. Marcela Guerrero, Co-Kuratorin der 82. Ausgabe vom 8. März bis zum 16. Juni, will neu ausgehandelt sehen, „was amerikanische Kunst oder Amerika selbst ist“. Ein indigener Fotograf wird postum gezeigt, ebenso eine Fotografin mit Aufnahmen schwarzer Soldaten, die in den 1970er Jahren in Japan stationiert waren.
Da die 1932 gestartete US-Kunstschau zunächst jährlich stattfand, also im strengen Sinn keine Biennale war, überflügelt sie Venedig bezüglich der Anzahl der Ausgaben. Die „New York Times“ nennt sie ein „kulturelles Barometer“. Das Teilnehmerfeld 2026 ist das Ergebnis von mehr als 300 Atelierbesuchen.
Bei der Malta-Biennale unter dem diesjährigen Motto Clean/Clear/Cut hingegen kann potenziell jeder mitmachen: 2026 sind acht Nationalpavillons und 21 thematische Pavillons geplant; Herzstück aber ist die sogenannte open-call-Sektion, für die sich Künstlerinnen und Künstler bewerben durften. 3.200 Bewerbungen gingen ein, doch es wurden auch gezielt Einladungen ausgesprochen. Insgesamt werden 130 Werke präsentiert. „Wir bieten eine lupenrein demokratische Schau“, sagt Russell Muscat von Heritage Malta. Initiator der Malta-Biennale war Mario Cutajar, Vorsitzender der maltesischen Kulturerbe-Organisation.
Bemerkenswert ist, dass 2026 mit der Spanierin Rosa Martínez eine der erfahrensten Biennale-Macherinnen als Kuratorin gewonnen wurde, sie kuratierte unter anderem in Venedig. Oft wollen Ausrichter mit dem Instrument Biennale ihren Rang als Kulturnation untermauern und Kunstexpertise demonstrieren. Maltas Zielsetzung ist nach Worten von Sprecherin Lisa Gwen Chetcuti aber eine andere: Es soll die heimische Kunst gefördert werden: „Malta hat keine gewachsene Szene“, sagt Chetcuti, „Galerien sind mehr Ladengeschäfte, es fehlen Kapazitäten und Ressourcen, um Kunstprojekte zu fördern und zu betreuen.“
Doch auch der Tourismus spielt eine Rolle: Die Laufzeit ab 11. März berücksichtigt eine Periode, in der die Hotels nicht optimal ausgelastet sind. Der Kunstparcours ist ausgedehnt, die Austragungsorte erstrecken sich bis auf die kleinere maltesische Insel Gozo. Das archäologische Museum, das in einem historischen Stadtpalast in der Inselhauptstadt Valletta eingerichtet ist, wurde in Teilen restauriert.
So weckt die Biennale Ausstellungs-Orte aus dem Dornröschenschlaf und ist Motor für die Aufwertung des Kulturerbes, zu dem Valleta und megalithische Tempel gehören. „Konzept und Format unterscheiden sich von anderen fundamental“, bekräftigt Muscat. Erwartet werden 300. 000 Besucher.