Der 7. Oktober hat vieles auf den Kopf gestellt. Der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Rabbiner kritisiert nun religiöse Führer, was den Kampf gegen Judenhass angeht. Wie es aus seiner Sicht besser laufen kann.
Der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Rabbiner (CER), Gady Gronich, beklagt einen nachlassenden Einsatz religiöser Führungspersönlichkeiten im Kampf gegen Antisemitismus. "Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober verspüre ich ein wachsendes Unbehagen und einen Rückzug von religiösen Führern, die immer im Kontakt mit den jüdischen Gemeinden standen", sagte Gronich laut CER-Mitteilung von Freitag in einer Rede auf dem 6. Weltforum für interkulturellen Dialog im aserbaidschanischen Baku.
Dennoch glaube er an den interreligiösen Dialog und die Fähigkeit, durch den Krieg beschädigte Beziehungen wiederherzustellen, betonte Gronich. "Ich glaube, dass religiöse Führer mehr Verantwortung übernehmen müssen, um Werte wie Verständnis, Toleranz und Partnerschaft zwischen den Menschen in dieser Welt zu fördern. Sie müssen Verantwortung übernehmen und auf Politiker und ihre Gemeinden einwirken, um Hassreden und Antisemitismus zu stoppen." Gemeinsam müsse man die Stimme gegen Hassreden erheben.
An der Veranstaltung nahmen den Angaben zufolge unter anderen Führungspersönlichkeiten aus Religion und Politik teil. Das Forum stand unter dem Motto "Vertrauensbildung durch interreligiösen Dialog". Die CER mit Sitz in München vertritt nach eigenen Angaben rund 800 aktive orthodoxe Rabbiner.