Jetlag durch Zeitumstellung am Sonntag – Das muss nicht sein

Ab Sonntag ist es eine Stunde länger hell - der Preis dafür sind 60 Minuten "geklaute" Nachtruhe. Viele Menschen beklagen Auswirkungen auf den Biorhythmus. Dagegen haben Fachleute einige Tipps.

 Müdigkeit und Konzentrationsprobleme - viele Menschen blicken mit gemischten Gefühlen auf die anstehende Zeitumstellung am Sonntag. Die äußere Uhr sei dann nur 23 Stunden lang, "während die innere Uhr weiter 24 Stunden benötigt, um sich anzupassen“, erklärte der Leiter des Zentrums für interdisziplinäre Schlafmedizin an der DKD Helios Klinik Wiesbaden, Markus Specht. Diese Anpassung sei für viele Menschen mühsam: So stiegen am ersten Tag nach der Zeitumstellung die Unfallzahlen signifikant an.

Sinnvoll sei es, schon jetzt, also ein paar Tage vor der Umstellung, schrittweise früher aufzustehen, und den Körper vorzubereiten. Am Sonntag sei ein rechtzeitiges Aufstehen ratsam - unterstützend könne dabei eine Tageslichtlampe wirken. Wer den morgendlichen Kaffee auf dem Balkon trinke, nutze das natürliche Licht, um sich auf die "Neutaktung" einzustellen. Gegen Müdigkeit wirke körperliche Aktivität.

Der Experte sieht darüber hinaus auch Arbeitgeber gefragt: Sie könnten mit Gleitzeitmodellen helfen und Arbeitnehmer gemäß ihrem Chronotyp (Morgen- oder Abendmensch) einsetzen. Studien zeigen laut Specht, dass sich dadurch nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Produktivität steigert. Auch spätere Schulzeiten könnten die Leistung verbessern: Abiturienten, die morgens Prüfungen schreiben, befinden sich häufig noch in ihrer biologischen Nachtphase, hieß es. Untersuchungen zeigen, dass spätere Schulzeiten die Leistung um bis zu eine ganze Notenstufe verbessern können.

Smartwatches seien zudem hilfreich, um Schlafmuster zu erfassen, hätten aber Grenzen: „Eine 2023 veröffentlichte Studie zeigt, dass die Messung der Tiefschlafqualität mit diesen Geräten nicht zuverlässig genug ist“, erklärte Specht. Daher eigneten sie sich eher zur Dokumentation von Schlaf- und Wachphasen, weniger als präzises Analysetool.

Auch warnte der Wissenschaftler vor einer nicht ärztlich abgesprochenen Einnahme von Melatonin. Entsprechende Präparate könnten zwar helfen, schneller einzuschlafen, jedoch sei häufig deren genaue Zusammensetzung unbekannt. Wer regelmäßig Medikamente zu bestimmten Tageszeiten einnehme, solle zudem mit Arzt oder Ärztin besprechen, ob eine Anpassung notwendig sei, um negative Auswirkungen der Zeitumstellung zu vermeiden.

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