Jede Ethik fußt auf Religion

UK 4/2018, Wert der Religion (Leserbrief Seite 14: „Ehrfurcht vor dem Leben – auch ohne Religion“); UK 4/2018, Vaterunser (Seite 2: „Böse Falle“)
Es ist eine uralte, nichtsdestoweniger falsche Annahme, dass es ohne jede Religion friedlicher zuginge in der Welt. Deswegen bleibt das bei der Religionswert-Debatte auch ein grundlegender Irrtum im Dalai-Lama-Zitat. Zwar tragen wirklich alle Religionen neben ihren guten Seiten auch ein Stück „Gewaltpotenzial“ in sich, weil es beim religiösen Bekenntnis jedem Menschen um das für ihn Heiligste geht. Wenn dies verletzt wird, kann es zu unberechenbaren Verteidigungsreaktionen kommen. Aber es gibt eben keinen Menschen ohne Religion und keine Ethik, die nicht auf der jeweiligen Religion fußte. Die sogenannten Atheisten mit ihrem Vernunftglauben oder irgendeiner gläubigen Ideologiehoffnung haben ihren Standpunkt nur noch nicht klar genug durchdacht.
Der große polnische Aphoristiker Stanisłav Jerzy Lec formulierte zugespitzt: „Die einen glauben, dass sie glauben, die anderen glauben, dass sie nicht glauben.“
Ich glaube, dass ich glaube, und ich weiß, dass ich immer etwas glauben werde, wie alle Menschen. Ich glaube an Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer und Vater. Deshalb glaube ich auch, dass dieser Gott des Alten und Neuen Testaments uns in die Versuchung führt und durch sie hindurch. Er steht nicht machtlos vor unseren Entscheidungen (was wäre das für ein allmächtiger Gott?) und er will niemanden auf die Probe stellen (das hat ein unser Herz und unsere Gedanken kennender Gott nicht nötig), sondern wir können unsere Schwachheit und Schuld vor ihm erkennen und uns als elende, erbarmungsbedürftige und trotzdem von ihm geliebte Kinder bekennen.
Wolfgang Kopplin, Plettenberg

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