Israelische Soldaten stellen Krieg in Frage – Entlassung droht

Soldaten der israelischen Luftwaffe kritisieren den Krieg im Gazastreifen als kontraproduktiv. Dafür ernten sie scharfe Kritik aus der israelischen Politik - und sollen aus dem aktiven Dienst entlassen werden.

Mehrere israelische Soldaten und Reservisten haben die Krieg im Gazastreifen öffentlich in Frage gestellt. Die Sicherheit der Geiseln sollte höchste Priorität haben – auch wenn dies ein Ende des Kriegs in Gaza erfordere, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Offenen Brief von rund 1.000 Soldaten und Reservisten der israelischen Luftwaffe.

Das Schreiben sorgte für Kritik aus Politik und Armee. "Dienstverweigerung ist Dienstverweigerung – auch wenn sie indirekt und in höflicher Sprache erfolgt", unterstützte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut einer Erklärung seines Büros die Entscheidung der Armeeführung, die Unterzeichner des Briefs aus der Armee zu entlassen.

Äußerungen, die die Armee schwächten und die Feinde im Krieg stärkten, seien unverzeihlich, so Netanjahu. Er bezeichnete die Unterzeichner des Briefs als "marginale und extremistische Gruppe", die versuche, die israelische Gesellschaft von innen heraus zu spalten und die Regierung zu stürzen. Zudem warf er ihnen vor, durch frühere Spaltungsversuche den Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 provoziert zu haben. Hamas habe den Aufruf zur Dienstverweigerung als Schwäche interpretiert, so Netanjahu in Anspielung an Reservisten, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Justizreform 2022 angekündigt hatten, den Dienst zu verweigern.

Auch Israels Verteidigungsminister Israel Katz kritisierte den Brief der Luftwaffensoldaten. Sie versuchten, die Legitimität des gerechten israelischen Kriegs im Gazastreifen zu untergraben, sagte er laut Bericht der Zeitung "Haaretz".

Der Stabschef der Armee, Eyal Zamir, und Luftwaffenkommandeur Tomer Bar kündigten laut Medienberichten an, Unterzeichner des Briefs im aktiven Reservedienst aus dem Dienst zu entlassen. Wie viele der Unterzeichner von dem Schritt betroffen sind, wurde zunächst nicht bekannt.

In dem Brief warfen die Unterzeichner der Regierung vor, den Krieg für politische und persönliche Interessen, nicht jedoch für Sicherheitsinteressen zu führen. Die Fortsetzung des Kriegs trage zu keinem seiner erklärten Ziele bei und werde den Tod der Geiseln, von Soldaten und Zivilisten führen. Einen direkten Aufruf zur Dienstverweigerung enthielt der Brief laut Berichten nicht.

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