Hoffen. Beten. Warten

Das Virus und die Angst
Hoffen. Beten. Warten

Als vor Monaten das Motto der diesjährigen Fastenzeit bekannt wurde, konnte man mancherorts Ratlosigkeit spüren: „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ – ja, gut. Das ist ja auch irgendwie richtig. Klima. Kriege. Rechtspopulismus. Flüchtlingsleid. Da kann ein frohgemuter Blick nach vorne schon hilfreich sein. (Ich sage das ohne Hohn; ich habe am Fastenlesebuch mitgeschrieben.)

Und plötzlich ist da das Coronavirus. Und die Menschen spüren, wie schwer es ist, sich nicht von Angst und trüben Gedanken nach unten ziehen zu lassen. Da ist die Furcht, sich anzustecken. Andere anzustecken. Man würde sich am liebsten verkriechen.

Sicher, es gibt Stimmen, die mahnen: Die Angst vor dem Virus ist völlig überzogen. Die normale Grippe, die Fahrt auf der Autobahn, Übergewicht und Bewegungsmangel sind viel gefährlicher. Das Problem: Wer hat Recht? Selbst Fachleute sind sich nicht einig. Im Moment kann wohl niemand zuverlässig sagen – auch nicht UK –, wie groß die Gefahr wirklich ist. Es fehlt schlicht die Erfahrung.

Und so bleibt: abwarten. Abwarten, wie sich Ausbreitung und Heftigkeit des Virus entwickeln. Abwarten, dass Medikamente gefunden werden. Warten auf mildere Temperaturen, die die Ausbreitung hemmen werden.

Warten auch, dass wir uns an die Bedrohung durch das Virus gewöhnen.
Denn so funktioniert das Leben. Als ich das erste Mal in Israel war, Kanonendonner in der Ferne hörte und neben mir in Bus und Café die Menschen sah mit ihren Sturmgewehren und Pistolen, da war ich durchdrungen von Furcht. Etliche Besuche später nahm ich weder Donner noch Waffen überhaupt noch wahr.

Abwarten fällt den Menschen schwer. Uralte Instinkte drängen, die Hände nicht in den Schoß zu legen. Auch deshalb kommt es zu Übersprunghandlungen wie Hamsterkäufen. Aber auch zu geradezu manischen Versuchen, mit Schelte und Spott der Unsicherheit Herr zu werden.

Ganz tatenlos muss allerdings niemand bleiben. Klug vorsorgen, den Empfehlungen zur Hygiene folgen, Enge bei Versammlungen meiden, bei Verdacht den Hausarzt anrufen – hier sollen sich Tatkraft und Disziplin zeigen.
Es bleiben Unsicherheiten. Darf ich zum Sport? In den Urlaub? Aufs Konzert? Dabei wird es zu faulen Kompromisse kommen – etwa in der Frage, ab wann man die Fußballbundesliga mit ihren zehntausenden Besuchern absagen sollte.

Dein Leben liegt nicht in deiner Hand. Diese Erkenntnis ist nun wahrlich nicht neu. Aber wir erfahren sie momentan neu. Anders als auf der Autobahn, beim Herzinfarkt, der normalen Influenza oder selbst bei einem Terroranschlag wird diese Erkenntnis plötzlich zum Schrecken, der alles umfasst und durchdringt. Die vermeintliche Sicherheit, die der Mensch in Jahrtausenden dem Chaos abgerungen hat – sie bröckelt.

Was tun? Abwarten. Klug handeln. Hoffen. Beten. Und in der Botschaft der Passionszeit Trost finden: Meine Zeit steht nicht in meinen Händen. Aber in deinen. Daran hat sich nichts geändert.

👋 Unser Social Media