Die Geschichte der "Spring Valley African Church" in Pennsylvania galt schon als abgeschlossen. Nach Jahrzehnten der Vergessenheit öffnet die kleine Kirche jetzt wieder ihre Pforte und schlägt ein neues Kapitel auf.
Für Pandora Campbell kommt die Wiederbelebung ihrer Kirche einem Wunder gleich. Anfang des Monats öffnete sich die knallrote Kirchentür allen Schicksalsschlägen zum Trotz erneut, nachdem sie jahrzehntelang verschlossen war. Hier, in der "Spring Valley African Methodist Episcopal Church" in Concordville im US-Bundesstaat Pennsylvania, ging Campbell als Kind zusammen mit ihrer Großmutter ein und aus. Für die Familie war die Kirche über fünf Generationen ein spirituelles Zentrum.
"Es war Großmutters letzter Wunsch, diese Kirche noch einmal zu besuchen", erzählt Campbell einem amerikanischen Reporter von der emotionalen Bedeutung des Gotteshauses. Nach den Sonntagspredigten seien sie mit anderen Gemeindemitgliedern zusammengekommen, um Großmutters Kuchen zu essen und zu singen.
Die Gemeinde gehört zur "African Methodist Episcopal Church" (AME), die sich historisch von den Methodisten abgespalten hatte. Es war die erste unabhängige protestantische Konfession, die Schwarze gegründet hatten. Dabei haben sich die AME-Kirchen immer als offen für Gläubige aller Ethnien verstanden. So war es auch in Concordville.
Die Kirche erwacht nun zu neuem Leben als Museum für afroamerikanische Lokalgeschichte. Der Start fällt symbolträchtig in den "Black History Month", der jedes Jahr im Februar in den USA und Kanada an die Geschichte und Kultur der afrikanischen Diaspora erinnert. Ein Neubeginn, der schon bei der feierlichen Eröffnung landesweit Schlagzeilen machte.
Die kleine Kirche mit ihren Sprossenfenstern umrahmt von dunkelgrünen Holz-Schlagläden ist nicht größer als ein bescheidenes Einfamilienhäuschen. Ihre Geschichte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts und ist gespickt mit Schicksalsschlägen.
1880 erbaut, entwickelte sich das Gotteshaus zu einem Magneten für schwarze Familien und Landarbeiter, die auf umliegenden Farmen in der Region Delaware County arbeiteten. Rund 100 Jahre erlebte die Gemeinde einen Boom, der in den 1980er Jahren jäh endete, als viele Schwarze die prosperierende Gemeinde verließen. Grund dafür waren die rasant gestiegenen Immobilienpreise, die sie nicht mehr bezahlen konnten. Mit ihnen gingen auch Kirchenmitglieder der AME-Gemeinde. Das Gotteshaus musste wenig später schließen.
Jahrelang blieb die Kirche verwaist; ihr endgültiges Ende schien 1997 gekommen, als ein Feuer das Gotteshaus fast komplett vernichtete. Die Behörden gingen von Brandstiftung aus, doch beweisen konnte man das nie.
Trotz späterer Reparaturarbeiten blieb das Gebäude bis 2014 ungenutzt. Doch dann kauften die Stadtväter und Mütter von Concordville das heruntergekommene Gotteshaus und beschlossen, ihm eine neue Bedeutung und Funktion zu geben.
Unterstützt von der lokalen historischen Gesellschaft und der Stadt kam fast eine halbe Million Dollar in die Restaurierungskasse - gespendet zum größten Teil von den Nachfahren der Gründerfamilien.
Es gehe darum, die Kulturgeschichte und Anfänge der Stadt "wieder aufleben zu lassen", so der Vizepräsident des Stadtrats, John Gillespie. Die Gemeinde sammle immer noch Artefakte und Ausstellungstücke für das Museum, so Gillespie. Daran beteiligen sich auch Künstler, die Kunstwerke beisteuern. In Kürze können Besucher afroamerikanische Literatur in der Bücherei der Museumskirche kostenlos ausleihen, die eine örtliche Bibliothek gespendet hatte.
Neben der Kirche gibt es außerdem ein neues Denkmal zu besichtigen. Dessen Errichtung geht auf den Hinweis eines 98-jährigen ehemaligen Kirchenmitglieds auf nicht gekennzeichnete Gräber auf dem Grundstück zurück. Die Sichtung von Sterbeurkunden und Aufzeichnungen vom Bodenradar bestätigten den Verdacht: Zehn unmarkierte Gräber damaliger Gemeindemitglieder konnten lokalisiert werden, an die nun der Gedenkstein erinnert.
Die Nachfahren der AME-Gemeinde von Concordville sind stolz darauf, wieder ein Eckpfeiler ihrer Kommune zu sein, auch wenn ihr Gotteshaus gerade einen Bedeutungswandel erlebt. Ihre Kirche, einst ein spiritueller Ort, ist jetzt hauptsächlich ein Dokumentationszentrum afroamerikanischer Lokalgeschichte. Denn Gottesdienste sollen hier nicht mehr abgehalten werden - vorerst.