Hintergrund: Fachstelle Sexualisierte Gewalt

Für die Beratung und Begleitung von Betroffenen sexualisierter Gewalt sowie für die Erstellung von Schutzkonzepten hat die evangelische Landeskirche Hannovers eine eigene Fachstelle eingerichtet. Dort arbeiten zurzeit zehn Mitarbeitende unter Leitung der Diplom-Pädagogin Mareike Dee. Die Zahl der Beratungen sei stark steigend, sagte Dee dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Anzahl der Anträge auf Anerkennungsleistungen für den Bereich der verfassten Kirche habe sich seit dem Erscheinen der sogenannten ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie vor zwei Jahren ungefähr verdreifacht. „Die Zahl der Beratungen und Gespräche ist ebenfalls um ein Mehrfaches gestiegen.“

Am Anfang stehe oft eine Klärung, welche Landeskirche für einen einzelnen Fall zuständig sei oder ob er in den Bereich der Diakonie falle. „Dann schauen wir gemeinsam mit den betroffenen Personen, wie wir sie an die richtige Stelle begleiten können, wenn das gewünscht ist.“ Schließlich geht es um die konkreten Fallkonstellation und um die Bedürfnisse und den Schutz der jeweiligen Person.

Dabei kommen auch die Rechte von Betroffenen zur Sprache. „Individuelle Aufarbeitung und das Offenlegen der Gewalterfahrung sind oft kraftzehrend für die betroffene Person“, sagt Dee. „Die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt geht an keinem Menschen spurlos vorüber.“

Die Mitarbeitenden der Fachstelle richteten das Tempo und die Schwerpunkte der Begleitung bestmöglich nach den individuellen Bedürfnissen jeder betroffenen Person aus, betonte die Leiterin. Sie könnten auch externe Ansprechpersonen vermitteln.

Neben der Fachstelle gibt es weitere Gremien, die sich mit sexualisierter Gewalt beschäftigen. Dazu gehören etwa die kirchlichen Anerkennungskommissionen, bei denen es um finanzielle Leistungen geht. Zudem gibt es bundesweit die „Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen“ (URAK), die sich eine umfassende Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt zum Ziel gesetzt haben. Die URAK für Niedersachsen und Bremen befindet sich gerade in der Gründungsphase.

Einige Betroffene kritisieren, dass die Fachstellen noch immer den Landeskirchenämtern unterstellt seien. Für die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch sei Unabhängigkeit von der Kirche unabdingbar, meinen sie.

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