Ein Sack Mehl für 500 Dollar, leere Lager, geschlossene Grenzen: In Gaza sei die Hungerkatastrophe längst da, mahnen Hilfsorganisationen. Die Blockade müsse sofort enden, Helfer müssten uneingeschränkten Zugang erhalten.
Die Menschen im Gazastreifen leiden seit Monaten unter israelischen Bomben, Hunger, fehlender Versorgung und Terrorherrschaft der Hamas. Nach Aufhebung der völligen Blockade lässt Israel nur ungenügende Lieferungen von Lebensmitteln und Medizin zu - aus Angst, sie könnten der Hamas nutzen. Andere vermuten eine systematische kollektive Bestrafung der Palästinenser. Hilfsorganisationen sind empört und fordern uneingeschränkten Zugang.
Das katholische Hilfswerk Caritas international erklärte, den Menschen in dem schmalen Landstreifen fehle es an allem. "Ein Großteil der Kinder dort hungert, zwei Millionen Menschen und damit die gesamte Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen", schrieb Leiter Oliver Müller in einem Gastbeitrag für "Die Tagespost" (Freitag). "Doch seit zwei Monaten sind die Grenzen für dringend benötige Hilfslieferungen geschlossen."
Die Lager für Lebensmittel seien leer, so Müller. "Suppenküchen und Bäckereien mussten schließen, das Wenige, das es auf dem Schwarzmarkt zu kaufen gibt, ist unbezahlbar - bis zu 500 US-Dollar für einen Sack Mehl." Die nun verkündete zeitlich begrenzte Zulassung von Hilfslieferungen sei völlig unzureichend.
Die von den USA und Israel beschlossene Methode, Hilfe für Gaza ausschließlich über einen durch das israelische Militär kontrollierten Mechanismus zu koordinieren, könne weder gewährleisten, "dass Menschen in Not ausreichend versorgt werden, noch entspricht der Verteilungsmechanismus den im Völkerrecht vorgeschriebenen humanitären Prinzipien von Menschlichkeit, Neutralität und Unparteilichkeit".
Die zuständige israelische Behörde Cogat teilte am Freitag mit, am Donnerstag seien 107 LKW mit Lieferungen in den Gazastreifen gefahren - nach Einschätzung der Helfer viel zu wenig für die mehr als zwei Millionen Menschen in dem Gebiet.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warf Israel eine kollektive Bestrafung der Bevölkerung im Gazastreifen vor. Die EU, darunter auch Deutschland, müssten viel mehr Druck auf die israelischen Behörden ausüben, sagte Nothilfekoordinator Franz Luef im Deutschlandfunk nach sieben Wochen Einsatz vor Ort. Israel sei als Besatzungsmacht dazu verpflichtet, die Grundversorgung der Menschen sicherzustellen.
Luef beschrieb Situationen, in denen die Helfer hungernde Mütter mit Kindern abweisen mussten, weil die verfügbaren Vorräte nicht ausreichten: "Es zerreißt mir das Herz", sagte er. "Das sind unmögliche Entscheidungen, die unser Team tagein, tagaus treffen muss." Es mache wütend, "dass es uns nicht erlaubt ist, hier unsere Arbeit machen zu können und dass die internationale Gemeinschaft hier zusieht".
Unterdessen gibt es Berichte über neue israelische Angriffe auf den Gazastreifen. Dabei seien seit der Nacht auf Freitag mindestens 28 Menschen getötet worden. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa unter Berufung auf medizinische Kreise meldete. Israels Armee teilte mit, Soldaten gingen gegen "Terrororganisationen im gesamten Gazastreifen" vor.