Hannover ehrt früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher

Die Stadt Hannover hat einen „Stolperstein“ für den ehemaligen SPD-Vorsitzenden und NS-Verfolgten Kurt Schumacher (1895-1952) verlegen lassen. Außerdem erneuerte sie eine bereits angebrachte Erinnerungstafel, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Kurt Schumacher war von 1946 bis zu seinem Tod 1952 Parteivorsitzender der SPD. Der Stolperstein wurde vor dem ehemaligen Wohnhaus von Schumachers Schwester Lotte Trinkwalter in der Südstadt verlegt. Hierhin war Schumacher 1943 nach zehnjähriger Haft, unter anderem im Konzentrationslager Dachau, entlassen worden.

„Mit Kurt Schumacher ehren wir einen Politiker, dessen unbeirrbares Eintreten für seine demokratischen Grundüberzeugungen uns auch heute noch ein Vorbild ist“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) bei der Verlegung im Beisein von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). „Mit dem Erstarken des Rechtspopulismus erleben wir, wie wichtig es ist, demokratiegefährdenden Strömungen entschieden entgegenzutreten und sich auf keine Kompromisse mit ihnen einzulassen.“

Die Erinnerungstafel wurde vor dem „Büro Schumacher“ im Stadtteil Linden enthüllt, der Zentrale des Wiederaufbaus der SPD nach 1945. Schumacher galt in der Nachkriegszeit als politischer Gegenspieler von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU). Im Ersten Weltkrieg hatte er einen Arm verloren.

Wie viele Sozialdemokraten wurde er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 festgenommen und inhaftiert. 1946 wurde er auf dem SPD-Parteitag in Hannover zum Vorsitzenden gewählt. Schumacher wehrte sich vehement gegen eine Vereinigung von SPD und KPD. Nach seinem Tod wurde er in Hannover beigesetzt.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Seit 1996 setzt er an Orten, an denen Opfer des Nationalsozialismus zuletzt gewohnt oder gewirkt haben, kleine, quadratische Betonsteine mit einer Messingplatte mit den Lebensdaten ins Straßenpflaster ein. Die Platten erinnern an zahlreiche jüdische NS-Opfer aber auch an Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas oder politische Gegner der Nazis. Insgesamt haben Demnig und sein Team nach eigenen Angaben bislang mehr als 107.000 Stolpersteine in Deutschland sowie in 29 weiteren Ländern Europas verlegt.

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