Der Hamburger Storchenbetreuer ist besorgt: „Die Brutbedingungen für die Storchenpaare haben sich deutlich verschlechtert“, sagte Jürgen Pelch vom Naturschutzbund (Nabu). Seit Wochen habe es keinen richtigen Niederschlag gegeben, die ersten Wassergräben seien ausgetrocknet. „Es droht ein akuter Futtermangel, wenn es nicht bald regnet“, sagte Pelch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jungstörche bräuchten Regenwürmer als lebensnotwendige Eiweißquelle. Zwei Küken seien bereits tot aufgefunden worden. Er vermutet, dass sie aus dem Nest geworfen wurden.
Dabei hatte die Brutsaison 2025 sehr gut angefangen: 57 Paare brüten aktuell in Hamburg, die meisten in den Vier- und Marschlanden. Im vergangenen Jahr waren es 55 Paare, 43 von ihnen hatten 113 Jungtiere großgezogen. „Durch das nasskalte Wetter im vergangenen Jahr haben einige Küken nicht überlebt“, sagte er.
Und so hofft Pelch, dass die Brutsaison der Störche in diesem Jahr insgesamt gut ausfällt. Dafür müsse es jedoch bald regnen, damit nicht noch mehr Gräben austrocknen. „Wir haben 5.000 Kilometer Gräben rund um die Wiesen und Felder. Das ist eigentlich optimal“, sagte Pelch, der seit fast 50 Jahren die Hamburger Störche betreut. Paare, die erst im April nach Hamburg zurückgekehrt sind, würden im Moment noch brüten. Bei einigen Störchen sei der Nachwuchs schon geschlüpft.
Wenn ihre Eltern nicht genug Futter finden oder sie zu viel Nachwuchs haben, würden die schwächeren Tiere aus dem Nest geworfen. Im Moment sollen deshalb Betreuerinnen und Betreuer der Nester täglich das Gelände kontrollieren. „Manchmal überlebt ein Junges den Sturz und wir können es retten“, sagte Pelch, der auch Storchenvater genannt wird. Gerade hat er zwei kleine Küken in Pflege. Sie sind eine Woche alt und werden die nächsten sechs Wochen von ihm aufgepäppelt.
Hamburg gilt deutschlandweit als Storchenhauptstadt, weil in keiner anderen Großstadt so viele von ihnen leben. Wie es in einem Nest aussieht, können Interessierte über die Storchenwebcam des Nabu verfolgen. Unter www.NABU-Hamburg.de/storchenwebcam wird die Brutsaison des Paares Fiete und Jette live übertragen, durch Infrarot-Technik ist das Nest laut Nabu auch nachts einsehbar.