Hamburger Kunsthalle: Liebesporträts im Miniaturformat

Es ist die erste große Ausstellung mit kleinsten Werken: Unter dem Titel „For your eyes only - Miniaturen der Romantik“ präsentiert die Kunsthalle Hamburg ab Freitag die Kunst der Miniaturmalerei. Mehr als 200 Porträtminiaturen sind im Harzen-Kabinett zu sehen, wie die Kunsthalle am Donnerstag vorstellte. „Die handlichen Kleinporträts zählten zu den persönlichsten und intimsten Bildnissen, die Menschen von sich malen ließen“, sagte Kuratorin Sabine Zorn. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Juni.

„Es ist seit 100 Jahren die erste große Ausstellung von Porträtminiaturen in Deutschland“, sagte Zorn. Die Schau zeigt rund 60 Miniaturen aus dem Bestand der Kunsthalle und rund 150 Leihgaben aus europäischen Sammlungen und Privatbesitz. Ihre Blütezeit erlebte die Hamburger Miniaturmalerei zwischen 1800 und den 1840er Jahren, bis sie von den frühen Techniken der Fotografie abgelöst wurde.

Die Bilder zierten Medaillons, Broschen, Ringe, Tabakdosen, Etuis oder kleine Rahmen. „So konnte man seine Liebsten immer am Körper tragen“, erklärte die Kuratorin. Viele Miniaturbildnisse der Ausstellung seien erstmals zu sehen, zuvor wurden die Hamburger Sammlerstücke aufwändig restauriert.

Dass die Miniwerke mit der Ausstellung ein Comeback erleben, freut auch Gast-Kurator und Kunsthistoriker Bernd Pappe: „Sie faszinieren uns, weil sie Wärme, Nähe und auch Begehren abbilden, sie waren nur für einen bestimmten Menschen gedacht.“ Da fassen sich auch mal junge Männer an die Brust, haben ein aufgeknöpftes Hemd und Damen halten Stiefmütterchen, die „Ich denke an dich“ symbolisieren, haben einen schmachtenden Blick und Rosen am Dekolleté. In manche Medaillons stecken auch Haare oder Gravuren wie „Auf dein Herz gelegt, gehört es nur dir“.

Die Bilder sollten die Erinnerung bei längerer Trennung wachhalten oder Trost beim Verlust des geliebten Menschen spenden. Porträtminiaturen waren um 1800 in ganz Europa weit verbreitet. Sie seien nicht mehr nur für den Adel gefertigt worden, sondern seien auch beim aufstrebenden Bürgertum zunehmend beliebt gewesen. „Hamburg war eine Hochburg der Miniaturmalerei“, sagte Kuratorin Zorn.

Die Bilder waren meist sechs bis zehn Zentimeter klein, viele wurden auf hauchdünnen Elfenbeinscheiben gemalt und teilweise mit Silberpapier hinterlegt, damit die Haut der Porträtierten noch lebendiger wirkte. Zorn: „Gemalt wurde mit Lupe und Wasserfarben. Korrigiert wurde mit einem Kratzmesser, um die Striche noch feiner zu machen.“ Die kleinen Werke würden eine ungeheure Präzision widerspiegeln.

Dieses Bedürfnis nach einem Erinnerungsbild eines geliebten Menschen, das stets bei sich getragen werden kann, bestehe bis heute. Die Miniaturmalerei wurde schließlich von der Fotografie abgelöst, die 1839 erfunden und schnell beliebt wurde. „Durch die Daguerreotypie konnten kleinformatige Porträts nicht nur realistischer, sondern auch viel schneller und günstiger gefertigt werden“, erläutert Kunsthistoriker Pappe. Und so wechselte auch der Hamburger Miniaturmaler Carl Ferdinand Stelzner in das Foto-Metier und schuf kleine Daguerreotypien von der Marktfrau, seinem Sohn mit Kindermädchen und Familienhund „Ulla“.

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