Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Hamburg werden kieferorthopädisch behandelt. Laut einer Mitteilung der Barmer Krankenkasse von Montag erhalten in der Stadt 59,7 Prozent der Mädchen und 49,4 Prozent der Jungen bzw. 55,2 Prozent der Heranwachsenden insgesamt eine entsprechende Behandlung auf Kassenkosten. Für die Analyse im Zahnreport wurden erstmalig Daten von bundesweit mehr als 50.000 Achtjährigen über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zum 17. Lebensjahr ausgewertet.
„Der Report betreibt keine Ursachenforschung, warum Mädchen häufiger eine Zahnspange erhalten. Allerdings gibt es Hypothesen, wonach sie ein höheres Eigeninteresse haben, möglicherweise angetrieben vom Wunsch nach ästhetischen Verbesserungen“, sagte die Hamburger Barmer-Landesgeschäftsführerin Susanne Klein. Auch übertriebene elterliche Fürsorge komme als Ursache infrage. „Jungen treten dagegen eine Therapie trotz diagnostisch festgestelltem Bedarf häufiger nicht an oder brechen sie vorzeitig ab“, sagte Klein.
Laut Klein liegt die kieferorthopädische Versorgung von Mädchen in allen Bundesländern konstant rund zehn Prozentpunkte höher als bei Jungen. Allein durch Kieferanomalien und Zahnfehlstellungen sei dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Inanspruchnahme nicht zu erklären. Um den tatsächlichen Nutzen kieferorthopädischer Behandlungen besser beurteilen zu können, bedürfe es mehr Versorgungsforschung.