Häusliche Gewalt: Zahl der Fälle in NRW gestiegen

Landeskriminalamt: Fälle werden oft nicht angezeigt

In Nordrhein-Westfalen sind im Jahr 2022 insgesamt 58.603 Fälle häuslicher Gewalt polizeilich erfasst worden. Das sind 9,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie aus einem bisher unveröffentlichten Lagebild des NRW-Landeskriminalamts hervorgeht, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Danach wurden rund 64.000 Menschen in NRW Opfer häuslicher Gewalt, 8,9 Prozent mehr als 2021.

Knapp drei Viertel (72,2 Prozent) der Opfer waren weiblich. Von den Tatverdächtigen waren fast 77 Prozent männlich. Zuerst hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag) darüber berichtet.

Im Bereich der Partnerschaftsgewalt waren nach dem Lagebild fast 82 Prozent der Opfer Frauen. In 30 Prozent der Fälle waren Täter und Opfer miteinander verheiratet. In mehr als 40 Prozent waren Täter und Opfer ehemalige Partner. Die Zahl der Fälle von Partnerschaftsgewalt stieg um 9,6 Prozent von rund 37.180 im Jahr 2021 auf 40.733 Fälle im Jahr 2022.

Im Bereich der „Innerfamiliären Gewalt“ stieg die Zahl der Fälle ebenfalls um fast 10 Prozent von 17.846 Fälle im Jahr 2021 auf 19.616 Fälle im Jahr 2022. Rund 55 Prozent der Opfer waren weiblich, rund 45 Prozent männlich. Von den Tatverdächtigen waren rund 72 Prozent männlich.

Bei mehr als der Hälfte der Delikte handelte es sich dem Bericht zufolge um vorsätzliche einfache Körperverletzung. In etwa 23 Prozent der Fälle kam es zu psychischer Gewalt wie Freiheitsberaubung, Bedrohung, Nötigung oder Stalking. In jedem achten Fall ging es um gefährliche und schwere Körperverletzung. Es gab 54 Todesfälle durch häusliche Gewalt.

Häusliche Gewalt finde in der Regel im privaten Bereich wie in der eigenen Wohnung statt, hieß es in dem Lagebericht. Daher seien die Strafverfolgungsbehörden auf die Anzeigebereitschaft der Betroffenen angewiesen. Allerdings führten die zumeist durch Kontroll- oder Abhängigkeitsverhältnisse geprägten Beziehungen zu den Tätern sowie Scham- und Schuldgefühle häufig dazu, dass die Betroffenen Häusliche Gewalt nicht anzeigen würden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) versprach den Opfern, die Polizei werde alles tun, um Täter zu stoppen. „Gewalt darf keinen Spielraum kriegen und ist keine Privatsache“, sagte Reul dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wer andere verletzt - egal ob mit Worten oder mit Taten -, muss aufgehalten werden.“

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