Gurus und Gitarren

Musik
Gurus und Gitarren

Gronau – „Ich spiele ein bisschen Gitarre, schreibe Lieder, mache ein paar Filme, aber nichts davon bin wirklich ich“, sagte George Harrison einmal in einem Interview. Harrison gilt oft als der stille, grüblerische Musiker der Beatles. Obwohl Gitarristenkollegen seine Kreativität rühmen, stand der Leadgitarrist der Beatles oft im Schatten der Alphatiere John Lennon und Paul McCartney. Dabei steuerte Harrison bereits dort Hits wie „Here Comes the Sun“ oder „While My Guitar Gently Weeps“ bei. Auch als Solo-Künstler setzte der im Jahr 2001 gestorbene Musiker Akzente. In diesen Tagen wäre er 75 Jahre alt geworden.
Harrisons Markenzeichen als Gitarrist wurde sein Slide-Gitarrenspiel, bei dem er mit einem Metall- oder Glasröhrchen auf einem Finger über die Seiten gleitet (englisch: slide). Auf der Liste der „100 besten Gitaristen aller Zeiten“ des Musikmagazins „Rolling Stone“ kam Harrison auf Platz 11. Im Jahr 2004 wurde er nach seinem Tod in die „Rock‘n‘roll Hall of Fame“ aufgenommen.
George sei musikalisch ein Wegbereiter gewesen, würdigt ihn sein Freund und Kollege Eric Clapton in dem Buch und in der gleichnamigen Film-Dokumentation „Living in the Material World“. Aus den Elementen des Rhythm‘n‘Blues, Rock und Rockabilly habe er etwas Einzigartiges geschaffen. „Sein wahres Erbe ist aber vielleicht von viel größerer Bedeutung“, sagt der Kurator des Gronauer Rock‘n‘Popmuseums, Thomas Mania. Nämlich „die Verbindung ritueller indischer Musik mit weltlicher westlicher Popmusik im Sinne einer globalen Musik ohne ethnische oder religiöse Grenzen“. Eine Begegnung mit dem indischen Sitar-Virtuosen Ravi Shankar im Jahr 1965 im Rahmen einer Beatles-Tournee habe sein künftiges Leben geprägt.
Bereits in jungen Jahren hätten die Beatles zwar viele materielle Dinge besessen, für die andere Menschen ein ganzes Leben bräuchten, erklärt Harrison in „Living in the Material World“. Ihnen habe aber etwas gefehlt – „etwas, was Religion den Menschen geben möchte“. Auf Harrisons Initiative hin ließen sich die Beatles vom indischen Guru Maharishi in Meditation unterweisen. Während dies für die anderen Beatles eine Episode blieb, meditierte Harrison weiterhin und trat zum hinduistischen Glauben über.
Geboren wurde George Harrison am 25. Februar 1943 als Sohn eines Busfahrers in Liverpool, wo er mit zwei Brüdern und einer Schwester in einem Sozialbau-Reihenhaus aufwuchs. Im Alter von 13 Jahren bekam er seine erste Gitarre geschenkt. Mit Paul McCartney, der die gleiche Schule besuchte, verband ihn eine Liebe zum Rock‘n‘Roll von Elvis und Buddy Holly.
Als die von John Lennon gegründete Band „Quarrymen“ noch einen Solo-Gitarristen suchte, schlug McCartney seinen Freund George vor. Anfang der 60er Jahre stand Harrison mit 17 Jahren als jüngstes Bandmitglied der Beatles in Hamburg auf der Bühne.
Viele von Harrisons Songs kreisen um die Vergänglichkeit des Lebens, ein Leben im Einklang oder Spiritualität („My Sweet Lord“). Er schrieb auch Filmmusiken und produzierte Filme. So konnte die britische Komikertruppe Monty Python ihren Film „Das Leben des Brian“ erst durch Harrisons finanzielles Engagement herausbringen.
Für spätere Wohltätigkeitskonzerte wegweisend wurde das „Konzert für Bangladesch“, das Harrison im Jahr 1971 im Madison Square Garden in New York organisierte. Gemeinsam mit Freunden wie Eric Clapton, Ringo Starr und Bob Dylan begeisterte Harrison die mehr als 40 000 Zuschauer. Mt einem Auftritt Ravi Shankars bot er zudem der indischen Musik ein Forum. Die Einnahmen aus dem Projekt unterstützten Opfer der kriegerischen Auseinandersetzung um die Unabhängigkeit Bangladeschs.
In seinen späteren Jahren gelang Harrison, der mit seiner zweiten Frau Olivia und seinem Sohn Dhani auf einem 120-Zimmer-Anwesen „Friar Park“ in Oxfordshire lebte, nach einer mehrjährigen Pause noch einmal ein viel beachtetes Comeback. Erfolge feierte der Musiker auch mit der von ihm gegründeten Supergroup „Traveling Wilburys“ an der Seite von Bob Dylan, Tom Petty, Jeff Lynne und Roy Orbison.
Zuletzt wurde es wieder ruhiger um Harrison. „Ich habe alles losgelassen – es interessiert mich nicht mehr: Platten, Filme, Fernsehauftritte und das ganze Zeug“, sagte er in einem Interview. So etwas habe nur für Menschen eine Bedeutung, die nicht wüssten, wo sie hinwollten. Harrison starb am 12. November 2001 mit 58 Jahren im New Yorker „University Hospital“ an Lungenkrebs.

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