Im Fall des ugandischen Milizenführers Dominic Ongwen legt der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag am 28. Februar die Entschädigungen für die Opfer fest. Das gab das Gericht am Mittwoch bekannt. Ongwen, früherer Kindersoldat und später Kommandeur der "Lord's Resistance Army", war am 4. Februar 2021 wegen zahlreicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen worden. An dem fast dreieinhalb Jahre dauernden Verfahren nahmen rund 2.000 seiner Opfer teil. Die Berufungskammer des Den Haager Strafgerichtshofs bestätigte das Urteil am 15. Dezember 2022.
Ongwen verbüßt seine 25-jährige Haftstrafe seit 18. Dezember 2023 in Norwegen. Anfang Mai 2021 hatte das Gericht dazu aufgerufen, Wiedergutmachungsanträge einzureichen. Der Beschluss über die Entschädigung aus einem Treuhandfonds wird im Rahmen einer öffentlichen Anhörung in Anwesenheit Ongwens und Rechtsvertreter der Opfer verkündet.
Der heute etwa 49 Jahre alte Ongwen ist nach Überzeugung des Gerichts für Morde, Folter und Vergewaltigungen und weitere Verbrechen verantwortlich. Zeugenberichten zufolge ließ er in Gewaltorgien Kinder ihre Eltern totprügeln und zwang seine Kämpfer zu kannibalischen Handlungen. Der Prozess stellte den Strafgerichtshof vor mehrere neue Herausforderungen, auch mit dem Argument der Verteidigung, Ongwen sei durch seine Vergangenheit als Kindersoldat selbst traumatisiert.