Gegen Pflicht – Rotes Kreuz weiter für freiwilliges Gesellschaftsjahr

Wehrdienst, Bevölkerungsschutz oder Gesellschaftsdienst: Es gibt zahlreiche Vorschläge für Dienste an der Gemeinschaft. So wünschenswert solche Dienste auch sein mögen - Hilfswerke sind gegen eine Pflicht.

Das Deutsche Rote Kreuz setzt bei Vorschlägen für Gesellschaftsdienste weiter auf Freiwilligkeit. "Wir plädieren mit dem Jahr für die Gesellschaft für ein freiwilliges Modell, das allen offensteht, das auf den bewährten Freiwilligendiensten aufsetzt und mit vergleichsweise geringen Kosten umsetzbar ist", sagte Joß Steinke als Bereichsleiter Jugend und Wohlfahrtspflege beim DRK am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.

Zugleich begrüßte das Hilfswerk die Diskussion, wie sich Menschen verstärkt in der Gesellschaft engagieren könnten. "Es ist klar, dass wir in den kommenden Jahren aufgrund der anstehenden Herausforderungen wie demografischer Wandel und Zunahme von Extremwetterereignissen mehr zivilgesellschaftliches Engagement brauchen", betonte Steinke.

Seit Wochen wird über verschiedene Modelle zur Stärkung der Wehrfähigkeit und für mehr gesellschaftliches Engagement diskutiert. Die bayerischen Grünen hatten am Wochenende einen verpflichtenden "Freiheitsdienst" vorgeschlagen. Dieser solle für alle Menschen zwischen 18 und 67 Jahre gelten, sechs Monate dauern und als Wehrdienst, beim Bevölkerungsschutz oder als Gesellschaftsdienst abgeleistet werden. Schon abgeleistete Dienste oder bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten könnten angerechnet werden.

Rein rechtlich gilt die Wehrpflicht in Deutschland weiterhin. Sie wurde 2011 lediglich vom Bundestag für Friedenszeiten ausgesetzt. Politik und Experten sind sich weithin einig, dass eine Wehrpflicht nach altem Vorbild derzeit rechtlich und mangels Ausbildungskapazitäten nicht realistisch ist.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte das Modell eines auf Freiwilligkeit beruhenden Wehrdienstes vorgestellt. Hierfür sollten alle im wehrdienstfähigen Alter einen Fragebogen zu Fitness und Motivation erhalten. Die Beantwortung wäre für Männer verpflichtend, für Frauen freiwillig. Ein Teil der jungen Männer würde zur Musterung aufgefordert, bei Frauen wäre auch dies freiwillig.

Die Union will ein verpflichtendes Dienstjahr für alle - Männer und Frauen - einführen. Wer nicht zur Bundeswehr möchte, muss dann sein "Gesellschaftsjahr" bei sozialen, kulturellen oder ökologischen Einrichtungen ableisten - entsprechend dem früheren Zivildienst. Hilfs- und Sozialorganisationen fordern demgegenüber die Stärkung der bestehenden Freiwilligendienste.

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