An die vor dem NS-Regime ins Exil geflohene Autorin und Psychotherapeutin Anna Maria Jokl (1911-2001) erinnert künftig eine Gedenktafel in Berlin. Sie soll am 17. Juni in der Sächsischen Straße 23 im Stadtteil Wilmersdorf enthüllt werden, wie die Senatskulturverwaltung am Dienstag mitteilte. Jokls langes Leben sei von der Flucht und von antisemitischen Erfahrungen geprägt gewesen. Als ihre bekannteste Veröffentlichung gilt die „Die Perlmutterfarbe. Ein Kinderroman für fast alle Leute“.
Jokl wurde den Angaben zufolge am 23. Januar 1911 in Wien in eine jüdisch assimilierte Familie geboren und kam Ende der 1920er Jahre nach Berlin. Dort sei sie Sozialistin geworden, „nahm Schauspielunterricht, sammelte erste Arbeitserfahrungen in Presse, Rundfunk und Film“.
1933 flüchtete sie vor dem NS-Regime nach Prag. Dort habe sie „Die Perlmutterfarbe“ geschrieben, hieß es. Am Beispiel von zwei Schulklassen beschreibe sie darin Mechanismen von Ausgrenzung, Denunziation, Manipulation und Verrat. Eine deutschsprachige Fassung wurde demnach erstmals 1948 in der DDR publiziert, 2008 wurde das Buch verfilmt.
1939 floh Jokl weiter nach London, wo sie unter anderem eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin begann, die sie später in Zürich fortsetzte. 1950 ging sie in die DDR, wurde aber nach zwei Monaten ausgewiesen. Sie ließ sich in West-Berlin nieder und arbeitete als freie Psychotherapeutin. Sie war Autorin für den Rundfunk und vertrat die jüdische Gemeinde im Rundfunkrat des Senders Freies Berlin. 1965 zog sie nach Jerusalem. Dort starb sie mit 90 Jahren am 21. Oktober 2001.