Geschichtsrevisionismus auf dem Balkan hat derzeit hohe Konjunktur. Das meint zumindest die Jugendinitiative für Menschenrechte. Immer noch erführen Menschen Ungerechtigkeit im Namen von angeblichem Patriotismus.
Die Jugendinitiative für Menschenrechte (YIHR), frisch gekürte Gewinnerin des diesjährigen Aachener Friedenspreises, hat Geschichtsrevisionismus auf dem Balkan angeprangert. "Die Auszeichnung kommt zu einer sehr schwierigen Zeit für unsere Region, wo Spannungen geschürt und fortdauernd ungelöste Traumata der Kriege der 90er Jahre ausgelöst werden", sagte Programmdirektorin Sofija Todorovic am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Mehr als zwei Jahrzehnte nach den Jugoslawien-Kriegen polarisierten etliche Politiker in Südosteuropa weiter entlang ethnischer Grenzen, so Todorovic. Weiterhin werde Ungerechtigkeit im Namen von angeblichem Patriotismus zugefügt. Mitunter müsse man sich gegen Nationalismus und Geschichtsverdrehung auf höchster politischer Ebene wehren; "Leugnung von Verbrechen, hochrangige politische Konflikte und Kriegstreiberei florieren in unserem öffentlichen Raum", sagte Todorovic.
Die Demokratie-Aktivistin verwies etwa auf den stockenden Dialog zwischen Serbien und Kosovo. Ebenfalls hier einzuordnen seien jüngste Versuche von serbischer Seite, einen internationalen Völkermord-Gedenktag für muslimische Bosniaken zu verhindern. Die Vereinten Nationen wollen am 23. Mai über das Thema abstimmen. - Die YIHR teilt sich den Preis, der am 1. September überreicht wird, mit der Kampagne "Omas gegen Rechts".