An die Atomkatastrophe in Tschernobyl vor 40 Jahren erinnert eine Fotoausstellung im Ulmer Stadthaus. Die von dem Berliner Fotografen Volker Kreidler kuratierte Ausstellung gibt nicht nur einen visuellen Einblick in das völlig verwaiste Sperrgebiet um Tschernobyl, sondern soll auch die Gefahren und die zeitlichen Dimensionen der Radioaktivität zeigen, sagte Stadthaus-Leiterin Karla Nieraad am Mittwoch bei einem Presserundgang.
Die großformatigen schwarz-weiß Fotos von Volker Kreidler, der sich dafür eine Woche in der Sperrzone aufgehalten hatte, machen deutlich, wie schnell sich die Natur in den verlassenen Städten und Straßen ausgebreitet hat: Hochhäuser sind von Efeu und Schlingpflanzen überwuchert, Gebäude zerfallen, in eingestürzten Hallen wachsen Bäume und Pflanzen, Füchse streunen in den verlassenen Städten. Die gesamte Sperrzone ist zu einem der größten Naturschutzgebiete geworden, wie die russische Fotografin Anna Jermolaewa mit automatischen Wildkameras dokumentierte. Auf einem Video in der Ausstellung sind etwa Wildpferde zu sehen, die sich ohne Einschränkungen durch Menschen stark vermehren konnten.
Mitten in die Katastrophe führen die Fotos von Victoria Ivleva, die 1991 als erste Journalistin den Block 4 des Reaktors besichtigen durfte, der am 26. April 1986 explodiert war. Die Folgen dieser Katastrophe veranschaulichen die Bilder des italienischen Fotografen Pierpaolo Mittica, der seit 2002 immer wieder in Tschernobyl war - Fahrzeugwracks, überwucherte Plätze und Straßen in Geisterstädten.
Als Kontrastprogramm zu Zerstörung und Verfall wirken die Fotos des ukrainischen Fotografen Maxim Dondyuk. In den Häusern, die von ihren Bewohnern völlig überstürzt verlassen worden waren, suchte er systematisch nach Familienfotos. Auf diese Weise entstand eine Galerie aus dem Alltagsleben mit Hochzeiten, Ausflügen und Familienfeiern vor der Atomkatastrophe. Ein letzter Abschnitt der Ausstellung, die am Freitag (23. Januar) eröffnet wird und bis 25. Mai zu sehen ist, geht auf die Stellung des Menschen in der Natur und die immens große zeitliche Wirksamkeit von Radioaktivität und Atomenergie ein. (0167/21.01.2026)