Fachstellen-Leiterin: Kampf gegen Missbrauch braucht Kulturwandel

Ein nachhaltiges Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt im Raum der Kirche ist nach Ansicht der Expertin Martina Frohmader mit einem Kulturwandel und einer Haltungsänderung verbunden. „Das passiert nicht einfach, das dauert“, sagte die Leiterin der landeskirchlichen „Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt“ am Mittwoch vor der in Augsburg tagenden Landessynode. Sie betonte, es werde auch in Zukunft sexuelle Übergriffe in Kirche und Diakonie geben, „aber alles, was wir tun, um mehr Fälle vom Dunkel- und Hellfeld zu holen, ist ein Erfolg“.

Frohmader sagte, im Nachgang zur ForuM-Studie seien insgesamt 206 Datensätze zu bekannten Missbrauchsfällen seit 1975 an die Generalstaatsanwaltschaft übergeben worden. Diese habe nach einer Prüfung 86 dieser Datensätze an die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften weitergegeben. Seither sei in einem Fall ein Ermittlungsverfahren aufgenommen und in einem weiteren das Prüfverfahren erweitert worden. Frohmader berichtete außerdem von der erst vor kurzem gegründeten Betroffenenvertretung von Kirche und Diakonie in Bayern mit sieben Mitgliedern.

Die Fachstellen-Leiterin wies darauf hin, dass ihr Team vergangenes Jahr 150 Präventions-Schulungsformate mit 3.650 Teilnehmenden absolviert habe - alleine im ersten Quartal dieses Jahres seien es noch einmal 100 Formate mit 1.300 Teilnehmenden gewesen. Bislang hätten rund 100 Kirchengemeinden Schutzkonzepte zur Überprüfung bei der Fachstelle vorgelegt. Frohmader betonte, dass solche Schutzkonzepte auch für die Kirchenleitung und die Synode verpflichtend seien. Am 26. Mai biete die Fachstelle deshalb dazu eine Online-Schulung für alle Synodalen an.

Anlass für Frohmaders Bericht vor der Landessynode war, über die Weiterarbeit ihrer Fachstelle seit Veröffentlichung der ForuM-Studie vor rund eineinviertel Jahren zu berichten. (1150/02.04.2025)

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