Eindringlicher Appell der Bildungsstätte Anne Frank: Sonntagsreden helfen gegen rechte Hetze und Holocaust-Leugnung im Netz nicht weiter. KI-generierte Anne Frank mit Fake News werden millionenfach geteilt.
Vor dem Gedenktag für Holocaust-Opfer am 27. Januar hat die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank zum Kampf gegen Holocaust-Verharmlosung und -Leugnung auf Social Media aufgerufen. "Historisch gesicherte Fakten zum Nationalsozialismus werden im Netz durch eine Flut an geschichtsverfälschenden KI-Fakes und eine Masse an Propaganda-Content überlagert, in dem der Holocaust wahlweise geleugnet und verharmlost oder die Opfer lächerlich gemacht werden", sagte Eva Berendsen, Co-Autorin einer neuen Studie zu NS-Verharmlosung im Netz, am Mittwoch in Frankfurt.
Die Bildungsstätte forderte, die US-Tech-Konzerne und Social-Media-Plattformen wie Tiktok, Facebook oder Instagram müssten verpflichtet werden, gegen solche Inhalte vorzugehen. Es reiche nicht aus, zum Gedenken an die Millionen Opfer der NS-Vernichtungspolitik an Gedenktagen einmal im Jahr betroffene Reden zu halten, kritisierte Bildungsstätten-Direktor Meron Mendel. "'Nie wieder' bedeutet im Jahr 2026, die Brandmauer gegen rechtsextreme Parteien zu verteidigen, und zwar überall: in den Parlamenten, an den Schulen, in Unternehmen, Medien und natürlich auch im Netz."
Laut der Studie zu NS-Fake-Inhalten im Netz werden derzeit beispielsweise rechtsextreme Memes, die Nazi-Größen verherrlichen, oder KI-generierte Anne Frank-Animationen millionenfach geteilt. Holocaustleugnung werde in Emojis verschlüsselt. Geschmacklose Inhalte wie "DJing in a Gas Chamber" fluteten die Plattformen, über die sich junge Menschen zu Geschichte und Zeitgeschehen informieren.
Die Politik müsse hier endlich gegensteuern, so die Forderung der Bildungsstätte. Die Tech-Konzerne müssten verpflichtet werden, gegen solche Inhalte vorzugehen. Entscheidend sei es auch, KI-generierte Fake-Inhalte immer zu kennzeichnen.