“Erinnern heißt, Verantwortung tragen”

Politiker und Religionsvertreter fordern Einsatz gegen Rechts

Zum Holocaust-Gedenktag am Samstag (27. Januar) haben sich bayerische Minister und Vertreter der jüdischen Gemeinschaft mit mahnenden bis kämpferischen Statements zu Wort gemeldet. Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) forderte Zivilcourage im Alltag: „Judenhass hat bei uns keinen Platz!“, sagte die Politikerin laut Pressemitteilung vom Freitag. Sich zu erinnern, heiße auch, Verantwortung zu tragen. Die Gesellschaft müsse gemeinsam gegen Antisemitismus und Extremismus eintreten. Zu einer lebendigen Erinnerungskultur gehöre, die Geschichten der NS-Opfer weiterzuerzählen und „das erfahrene, unfassbare Unrecht sichtbar“ zu machen.

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) äußerte sich „erschüttert, wie Jüdinnen und Juden heute teilweise wieder angefeindet werden“. Sie sei überzeugt, dass Bildung „das wirksamste Mittel gegen Antisemitismus, Hetze und Diskriminierung“ sei. Deshalb vermittle das bayerische Bildungssystem jungen Menschen Werte wie Freiheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) würdigte die Demonstrationen der vergangenen Tage als „klares Signal für Zusammenhalt gegen Rechtsextremisten und Demokratiefeinde“. Der Kampf gegen Antisemitismus sei jedoch eine Daueraufgabe, der sich die bayerische Justiz Tag für Tag stellen müsse.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies auf die wachsende Bedeutung der Gedenkstättenarbeit hin und veröffentlichte ein Positionspapier hierzu. Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte, mit der schwindenden Zahl von Zeitzeugen der Schoah rückten die Gedenkstätten stärker in den Fokus: „Sie sind für das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft unentbehrlich und müssen als authentische Orte erhalten bleiben.“

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, rief dazu auf, entschieden gegen jede Form von Antisemitismus und Extremismus aufzustehen. „Während wir in diesen Tagen den sechs Millionen Jüdinnen und Juden, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder, gedenken, die durch die Nazi-Diktatur in grausamster Weise vernichtet worden sind, dürfen wir auch nicht blind für die aktuellen Entwicklungen sein“, sagte der diesjährige Karlspreisträger. Mit Blick auf die Demonstrationen der letzten Woche hoffe man, „dass diese neue Zivilcourage auch im Alltag dauerhaft von allen hier lebenden Menschen und Gemeinschaften und gegen jede Form von Extremismus und Antisemitismus, ob von links, rechts oder islamistischer Seite, gezeigt wird“. (00/0324/26.01.2024)

👋 Unser Social Media