Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Wer wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“ aus Markus 10, 35-45
Sie war eine von den Menschen, die hart sind gegen andere und hart sind gegen sich selbst. Von anderen im Dorf wurde sie deswegen scheu geachtet, aber meist gemieden. Das war ihr anscheinend egal. Sie hatte sich nichts vorzuwerfen. Und sie war sich sicher: Für ihr sittenstrenges, frommes Leben würde sie dereinst in der himmlischen Seligkeit reich belohnt werden.
Diese Frau fiel mir wieder ein, als ich die gottesdienstlichen Texte für diesen Sonntag Judika las. „Gott, schaffe mir Recht“, so beginnt der Kehrvers des Wochenpsalms, nach dem dieser Sonntag benannt wird. Doch was heißt das eigentlich? Was ist denn mein Recht, das mir auch in Gottes Augen zusteht?
Der Evangelist Markus erzählt, dass zwei der Jünger Jesus bitten, „dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.“ Doch Jesus weist die beiden freundlich, aber deutlich ab: „Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet.“ Er verweist auf den Leidensweg, der vor ihm liegt. Aber die beiden sind sich sicher: Auch diesen Weg werden sie an Jesu Seite durchhalten. Und Jesus? Er weiß, dass sie ihm wirklich folgen werden. Doch er weist sie trotzdem ab: Diese himmlischen Ehrenplätze kann er auch denen nicht versprechen, die alles daran setzen, nach seiner Botschaft zu leben und ihm zu folgen, selbst wenn dieser Einsatz im Martyrium endet.

