Keine Regierung der Welt erkennt sie offiziell an, in der Vollversammlung der Vereinten Nationen haben sie keinen Platz. Doch erstmals dürfen die Taliban in diesem Jahr an der UN-Klimakonferenz teilnehmen – die radikalislamischen Machthaber in Afghanistan hoffen, dass ihnen das weitere Türen öffnet. Und für ihr von der Klimakrise gebeuteltes Land könnte es eine Chance sein.
Die Taliban, die nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan im Sommer 2021 vor allem wegen ihrer restriktiven Politik gegenüber Frauen und Mädchen international isoliert wurden, hatten sich bei den seitdem stattfindenden Klimakonferenzen in Scharm el-Scheich und Dubai vergeblich um eine Teilnahme bemüht. In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku blieben ihnen die Türen nun nicht verschlossen.
Afghanische Delegation soll nur als „Beobachter“ teilnehmen
Denn zuletzt hatten die Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit der Taliban-Regierung innerhalb der internationalen Gemeinschaft deutlich zugenommen. Immer mehr Staaten, vor allem aus der unmittelbaren Nachbarschaft, nahmen zumindest inoffizielle Beziehungen zur Regierung in Kabul auf, ohne sie offiziell anzuerkennen. Nach Angaben des afghanischen Außenministeriums traf bereits am Wochenende eine afghanische Delegation unter Leitung des Chefs des Nationalen Umweltprogramms, Matiul Hak Chalis, in Baku ein. Sie soll nur als „Beobachter“ ohne Stimmrecht teilnehmen. Möglich seien aber Gespräche am Rande der Konferenz oder kleinere bilaterale Treffen mit anderen Staaten, hieß es.Afghanistan stark vom Klimawandel bedroht
Afghanistan, das kaum für die globalen Treibhausgase verantwortlich ist, gehört zu den am stärksten vom Klimawandel bedrohten Ländern der Welt. Die Erwärmung ist fast doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu extremen Wetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen - zuletzt im Mai, als nach heftigen Regenfällen weite Gebiete überflutet wurden. Mehr als 300 Menschen verloren laut UN ihr Leben, Tausende Häuser wurden zerstört.Während die meisten Vertreibungen in Afghanistan in den vergangenen Jahrzehnten durch Krieg und Gewalt ausgelöst wurden, sind nach Angaben der Hilfsorganisation „Save the Children“ seit der Machtübernahme der Taliban Klimakatastrophen zum Hauptgrund für die Flucht innerhalb des Landes geworden. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres seien mindestens 38.0000 Menschen durch Extremwetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen oder Wirbelstürme aus ihrer Heimat vertrieben worden - mehr als im gesamten Jahr 2023.Today the COP29 Presidency launched the Baku Initiative for Climate Finance, Investment, and Trade (BICFIT) Dialogue which will be co-led by @UNDP, @UNCTAD in collaboration with the @wto Secretariat and ITC and brings together previous and future COP Presidencies. The BICFIT… pic.twitter.com/I4uNPfMs7C
— COP29 Azerbaijan (@COP29_AZ) November 14, 2024
