Deutsches Literaturarchiv Marbach übernimmt Nachlass von Brinkmann

Helga Schubert hält Marbacher Schillerrede 2026

Das Deutsche Literaturarchiv (DLA) Marbach übernimmt den Nachlass von Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975). Obwohl Brinkmann jung verstarb, sei er äußerst produktiv gewesen und gelte als Klassiker der Nachkriegsliteratur, sagte Ulrich von Bülow, Leiter der Abteilung Handschriften, am Mittwoch bei der virtuellen Jahrespressekonferenz des DLAs. Brinkmann habe in Gedichten Alltagssprache mit Popelementen und Medienbildern verbunden.

Brinkmanns Nachlass enthält Manuskripte, Briefe und Skizzenbücher aus den 70er-Jahren und viele Entwürfe und Fassungen von Gedichten, die zum größten Teil im Band „Westwärts 1 & 2“ publiziert wurden. Aber auch ein bislang unveröffentlichtes Notizbuch mit Entwürfen zu einem zweiten Roman ist dort zu finden, der nie realisiert wurde.

Außerdem übernimmt das DLA drei Nachlassbibliotheken aus den Beständen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, darunter die Bibliothek von Franz Fühmann (1922-1984), die aus 390 laufenden Metern besteht. Sie zähle zu den bedeutendsten Autoren- und Intellektuellenbibliotheken der DDR und dokumentiere auch die zunehmende Distanz des Autors und Sammlers zur DDR, sagte Natalie Maag, Leiterin der Abteilung Bibliothek. Aus Berlin wird zudem die Bibliothek des Lyrikers Johannes Bobrowski (1917-1965) und der Schriftstellerin Hedwig Courths-Mahler (1867-1950) vom DLA übernommen.

Erworben werden konnte zudem der seltene Separatdruck der Dissertation von Georg Büchner (1813-1837) über das Nervensystem der Barbe. Dank Sondermitteln des Bundes ist nun auch eine Sammlung mit Werken des deutschen Schriftstellers B. Traven im DLA zu finden. Die umfangreiche Sammlung des Lübecker Stadtbeamten Wolf-Dietrich Schramm umfasst auch einige Originalmanuskripte des Autors.

Die Wechselausstellung im Literaturmuseum der Moderne zu Rilkes Welten, die im Dezember 2025 zum 150. Geburtstag Rilkes eröffnet wurde, ist noch bis Januar 2027 zu sehen. 2026 steht damit literarisch ganz im Zeichen Rilkes, da am 29. Dezember 2026 auch der 100. Todestag Rilkes ist. Der Dramatikerin Gerlind Reinshagen widmet das DLA zu ihrem 100. Geburtstag im Sommer ebenfalls eine kleine Jubiläumsausstellung.

Im März 2027 wird eine Jubiläumsschau zu Martin Walser (1927-2923) eröffnet. Seit 2022 verwahrt das DLA den Nachlass Walsers, zu dem rund 75.000 handschriftliche Seiten, 75 Tagebücher und eine Bibliothek mit über 7.800 Bänden gehören.

Insgesamt 15.418 Schriftstellerinnen verzeichnet der Online-Katalog des DLA. Ab Herbst 2026 wollen das DLA und die Wüstenrot Stiftung daher in einem gemeinsamen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Erschließungsprojekt die Archivbestände von Schriftstellerinnen verstärkt sichtbar machen.

Die Schriftstellerin Helga Schubert hält am 8. November die diesjährige Marbacher Schillerrede. Sie habe sowohl politisch als auch literarisch viel zu sagen, sagte Sandra Richter, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs (DLA) Marbach.

Schubert wurde 1940 in Berlin geboren, seit 1975 arbeitete sie in der DDR als freie Schriftstellerin und wurde daraufhin von der Stasi als „feindlich negativ“ betrachtet und bis 1989 beobachtet. 1990 veröffentlichte sie das Buch „Judasfrauen“ mit Fallgeschichten von Denunziantinnen im Dritten Reich. Zuletzt erschien 2025 ihr Buch „Luft zum Leben“, eine neue Sammlung von Texten aus 60 Jahren.

Mit der Schillerrede wird jährlich an den Geburtstag von Friedrich Schiller am 10. November 1759 in Marbach erinnert. Bisherige Schillerredner waren unter anderem die Soziologin Eva Illouz (2025), der russische Autor Michail Schischkin (2024), Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah (2023), Jan Assmann und Richard von Weizsäcker. (0163/21.01.2026)

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