Der innere Schweinehund lässt grüßen

Fastenzeit
Der innere Schweinehund lässt grüßen

Die Fastenzeit gibt Gelegenheit, sich zu fragen, was einem wirklich wichtig im Leben ist. Denn schließlich ist die Fastenzeit die Zeit der Buße und der Umkehr. Und so bedeutet büßen und umkehren auch, dass im eigenen Alltag etwas verändert werden soll. Denn Glaube, der nicht gelebt und praktisch umgesetzt wird, ist kein Glaube, der den ganzen Menschen umfasst. So geht es in der Fastenzeit konkret um Veränderungen.
Der eine versucht in diesen Wochen nur noch Fleisch zu essen, das nicht aus Massentierhaltung stammt. Das ist gesund und tut den Tieren gut, die ein glückliches Leben führen können, ehe sie geschlachtet werden. Ein anderer übt sich darin, regional und saisonal einzukaufen, um sich so bewusster zu werden, was die Schöpfung für uns Menschen bereithält. Und ein Dritter versucht jeden Tag spazieren zu gehen und so lange draußen zu bleiben, bis er etwas Schönes entdeckt hat.
Alle Vorhaben scheinen machbar, wenn sie ein bisschen geplant werden und ein wenig Disziplin vorhanden ist. Doch wie sieht es da inzwischen aus? An Tagen, an denen es regnet und stürmt, kann der Spaziergänger sich nur schwer aufraffen, nach draußen zu gehen. Im Supermarkt ist ja alles zu bekommen für den, der regional einkaufen wollte. Und die Bratwurst in der Mittagspause war doch auch immer lecker. Es erscheint viel leichter, in den gewohnten Bahnen zu bleiben und alles so zu machen wie immer.

Der innere Schweinehund ist faul und nachlässig

Denn vor den neuen Wegen scheint ein Hindernis zu liegen: der innere Schweinehund. Er ist wasserscheu, mag Wurst an jedem Ort und möchte vor dem Einkauf keine Tabellen mit saisonalem Obst studieren. Er ist faul, sorglos und nachlässig und mag Veränderungen nur, wenn sie mühelos gelingen. Der innere Schweinehund ist landläufig bekannt, und es gibt im Internet jede Menge Tipps, wie man ihn besiegen kann.
Diese Hilfestellungen werden meist angeboten von Krankenkassen, Karriereplanern und Psychologen. Diese raten, mit dem inneren Verhinderer in Kontakt zu treten, ihn zu überlisten und auch einmal nachzugeben. Dazu gibt es für den richtigen Umgang jede Menge Literatur. Die Menge an Hinweisen macht deutlich, dass es offensichtlich nicht so leicht ist, neue Pfade zu begehen und Gewohnheiten zu verändern.
Dass der innere Schweinehund offensichtlich ein urmenschliches Phänomen ist, zeigt ein Blick in die Geschichte: Schon im 4. Jahrhundert beschreibt Euagrios Pontikos acht negative Eigenschaften, von denen Mönche heimgesucht werden kön-nen. Darunter auch die Acedia (lateinisch: Trägheit), die Faulheit, Ignoranz, Überdruss und Trägheit des Herzens mit sich bringt und damit dem inneren Schweinehund nicht unähnlich ist. Und so übten sich auch die Wüstenväter im Umgang mit dem Mittagsdämon, wie die Acedia auch genannt wird.

Der Schweizer Psychiater Daniel Hell beschreibt ihren Umgang damit in fünf Schritten: „Annehmen und ausharren“, also erst einmal hinschauen, was gerade bei einem selber los ist, und sich nicht gleich etwas anderes vornehmen. Dann: „Anders denken“ und den trüben Gedanken positive gegenüberstellen – etwa aus der Bibel. Auf diese Weise ändert sich schon die Perspektive.
Als nächster Punkt gilt ein „geregelter Lebensrhythmus“, in den zum Beispiel der tägliche Spaziergang fest integriert ist, dann „Traurig sein und weinen“ sowie „Annehmen der eigenen Sterblichkeit“. Diese letzten beiden Umgangsweisen sollen dabei helfen, das, was passiert, in den richtigen Kontext zu bringen. So kann sich zeigen, was wirklich wichtig ist und was eher trivial, wofür es sich lohnt, etwas zu verändern, und wo Energien eher verschwendet werden.
Wer diesen Umgang mit dem inneren Schweinehund einmal ausprobiert, der hat am Ende der Fastenzeit vielleicht doch mal Fleisch gekauft, das aus konventionellen Betrieben stammt, oder war einmal nicht spazieren. Aber er kann es anders einordnen und hat vielleicht entdeckt, worum es wirklich geht, ganz besonders in Hinsicht auf Buße und Umkehr.

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