Das Stichwort: Ostermärsche

Seit 65 Jahren gehen Menschen in Deutschland an den Ostertagen für Frieden und Abrüstung auf die Straße. Inspiriert wurden die friedlichen Demonstrationen von einem Protestmarsch gegen Atomwaffen an Ostern 1958 in Südengland. Großen Zuspruch erlebte die Ostermarsch-Bewegung in Deutschland vor allem im Zuge der Massenproteste gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Westeuropa Anfang der 1980er-Jahre, damals beteiligten sich Hunderttausende an den Friedensaktionen. Stärkeren Zulauf erlebte die Friedensbewegung auch bei Krisen wie den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und am Golf.

Seit vielen Jahren stagniert allerdings die Zahl der Teilnehmenden: Höchstens mehrere zehntausend Menschen kommen jedes Jahr zu den bundesweit gut hundert klassischen Aktionen wie Kundgebungen, Mahnwachen, Blockadeaktionen, Fahrradtouren und Wanderungen sowie Friedensgebeten und Friedensfesten. Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Nahost-Krieg lösten zuletzt keine breitere Beteiligung aus. Als ein Grund gilt, dass viele Ostermarschierer in die Jahre gekommen sind und klassische Protestformen jüngere Menschen eher weniger ansprechen. Dennoch sind die Ostermärsche für die Friedensbewegung weiter identitätsstiftend.

Ein zentrales Thema der diesjährigen Ostermärsche ist die als maßlos kritisierte Aufrüstung mit hohen Milliardensummen in Deutschland und Europa. Mit Blick auf den 80. Jahrestag der US-Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August bekräftigen die Veranstalter zudem ihre Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt, es dürften keine neuen US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland aufgestellt werden. Verlangt werden auch Verhandlungslösungen zur Beendigung der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie ein Verzicht auf eine Wehrpflicht in Deutschland.

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