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Chef der Techniker-Kasse lehnt Praxisgebühr ab

Politiker und Arbeitgeber fordern eine Selbstbeteiligung der Patienten an den Kosten für Arztbesuche. Doch Kassen-Chef Baas warnt, dass Gebühren nicht dazu beitrügen, Patienten im Gesundheitssystem besser zu steuern.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, hält nichts von der Wiedereinführung der Praxisgebühr: “Die frühere Praxisgebühr hatte jedenfalls keine steuernden Effekte. Bevor wir über Gebühren reden, brauchen wir zuerst ein neues System”, sagte Baas der “Rheinischen Post” vom Samstag. “Nur über Geld kann man Patientinnen und Patienten nicht sinnvoll steuern. Die Leute gehen nicht aus Spaß zum Arzt, sondern weil sie ein Problem haben. Wir müssen sie dorthin bringen, wo ihnen geholfen werden kann – nach dem Prinzip: digital vor ambulant vor stationär. Das vermeidet unnötige Arztbesuche.”

Um Kosten zu senken, fordert Baas Einsparungen bei Medikamenten. “Ein höherer Herstellerrabatt auf verschreibungspflichtige Medikamente wäre eine sinnvolle Maßnahme. Mit einer Erhöhung auf 17 Prozent ließen sich bis zu drei Milliarden Euro an Arzneimittelausgaben im Jahr sparen”, sagte der TK-Chef und kritisierte die Branche. “Die Pharmaindustrie setzt Politik und Gesellschaft unter Druck.” Bekomme sie keine hohen Preise, werde mit Abwanderung gedroht und die Politik falle darauf herein. Baas betonte, Deutschland habe nach den USA die zweithöchsten Pharmapreise.