VonClemens Bethge
Du bist gewollt. Du bist einzigartig. Das lese ich in den Worten aus Psalm 139. Und das berührt mich. Manchmal bin ich unzufrieden, manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Dann sagen die Verse: Gott kennt dich, durch und durch, hat dich schon immer gekannt, hat dich erdacht, gebildet, wunderbar gemacht. Manchmal bin ich überlastet. Dann spricht mir der Psalm zu: Alle Tage deines Lebens waren schon aufgeschrieben im Buch des Lebens, noch bevor du das Licht der Welt erblickt hast. Für mich strahlen die Verse aus dem 139. Psalm Geborgenheit aus. Sie vermitteln mir Zuversicht. Sie stärken mich.Freilich: Lange wurde der Psalm auch dazu missbraucht, ein Bild von Gott als Aufseher zu zeichnen, als Inspekteur, der alles sieht, auch im Verborgenen, der beobachtet und spioniert. Auch die Psalmbeterin ist sich nicht sicher, ob Gott ihr mit seiner Nähe nicht zu sehr auf den Leib rückt: „Wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?“ (Psalm 139,7). Ob nun bei Facebook oder in der physischen Realität, es ist ambivalent: Ich möchte vor fremden, durchdringenden Blicken geschützt sein. Gleichzeitig möchte ich gesehen werden. Ich möchte wahrgenommen werden, in dem, was ich tue und was ich bin.
Entscheidend ist die Perspektive. Gott schaut uns voll Liebe an – und wir werden. Er sieht, was nicht ist, was sein könnte und sein sollte, was sein muss und was sein wird (vergleiche 1. Johannes 3,2; 1. Korinther 13,12). Gottes Blick sieht, was möglich ist. Wo liebevoll hingesehen wird, da verändert sich etwas. Da entsteht etwas.
(...)
Ausgabe kaufen und weiterlesen
Der Sonntag Septuagesimae, 24. Januar, wird in vielen Gemeinden als Kirchentagssonntag begangen mit dem Predigttext Psalm 139,13–18
13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. 14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. 15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde. 16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. 17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! 18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.
Der reguläre Predigttext Septuagesimae, Reihe II, ist: 1. Korinther 9,24–27
