Gut 80 Jahre nach den sogenannten Todesmärschen von KZ-Häftlingen durch den Harz erinnert eine neu überarbeitete Broschüre an die damaligen Ereignisse. „Darin werden sehr eindringlich Willkür, Qualen und Tod beschrieben, denen die Häftlinge während der Märsche und Bahntransporte ausgesetzt waren“, sagte Mitherausgeber Friedhart Knolle vom Verein „Spurensuche Harzregion“ am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein weiterer Abschnitt des Heftes ist der Initiative von Bürgervereinen gewidmet, die Route der Todesmärsche durch Stelen zu markieren.
In den ersten Apriltagen 1945 hatte die SS angesichts der vorrückenden Truppen der Alliierten allein im südlichen und westlichen Harzvorland aus dem KZ Mittelbau-Dora und seinen Außenlagern zwischen Osterode und Sangerhausen mehr als 40.000 KZ-Häftlinge nach Nordwesten in Marsch gesetzt. Vier Wochen später, bei Kriegsende, waren gut ein Viertel davon tot - verhungert, verdurstet, erschlagen, erschossen oder an Krankheiten wie Typhus gestorben.
Während die Aufarbeitung der damaligen Ereignisse im Ostharz schon zu DDR-Zeiten erfolgt sei, wurden die auf der niedersächsischen Seite begangenen Verbrechen Knolle zufolge lange Zeit vergessen oder verdrängt. Den Anstoß zum „Wegzeichenprojekt Westharz“ habe Ende der 1990er Jahre der Wunsch ehemaliger Häftlinge aus Mittelbau-Dora gegeben, mit Gedenksteinen an die Todesmärsche zu erinnern.
In den Jahren 2000 und 2001 seien vom Verein „Spurensuche Harzregion“ und der Arbeitsgemeinschaft „Spurensuche in der Südharzregion“ an markanten Orten insgesamt 18 Stelen und Hinweistafeln errichtet worden, sagte Knolle. Die letzte von ihnen wurde vor der evangelischen Trinitatis-Kirche in Braunlage aufgestellt.