Bieterschlacht um ProSiebenSat.1 geht weiter

Die tschechische PPF-Gruppe spuckt einem von den Berlusconis kontrollierten Konzern in die Suppe und legt den Aktionären der deutschen TV-Gruppe ProSiebenSat.1 ein deutlich besseres Angebot vor. Den Vorstand freut es.

Der Kampf um die Vormachtstellung bei der Mediengruppe ProSiebenSat.1 geht in die nächste Runde. Der tschechische Großaktionär PPF hat am Montag ein Angebot vorgelegt, um seinen Anteil an der TV-Sendergruppe (ProSieben, Sat.1, Kabel 1, Joyn) auf bis zu 29,99 Prozent zu erhöhen und dafür sieben Euro je Aktie zu bezahlen.

Damit torpediert die von den Erben des Milliardärs Petr Kellner kontrollierte PPF das Angebot des italienischen Medienkonzerns Media For Europe (MFE), der ein Angebot zur vollständigen Übernahme von ProSiebenSat.1 vorgelegt hatte. MFE bietet aktuell aber nur 4,48 Euro plus einen kleinen Anteil an MFE-Anteilen pro Aktie. Hinter MFE steht die Familie des 2023 gestorbenen italienischen Medienunternehmers und früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Eine Übernahme von ProSiebenSat.1 durch die Berlusconis wird von Teilen der deutschen Medienpolitik kritisch gesehen.

PPF ist derzeit über Aktien und Finanzinstrumente mit knapp 15 Prozent an der ProSiebenSat.1 Media SE beteiligt. In einer ProSieben-Mitteilung heißt es, PPF bekräftigte außerdem "seine volle Unterstützung für die aktuelle Strategie des Unternehmens". MFE hält etwas über 30 Prozent an ProSiebenSat.1 und verfolgt unternehmenspolitisch deutlich andere Ziele als der aktuelle Konzernvorstand um Bert Habets.

Der Vorstand von ProSiebenSat.1 erklärte, man begrüße das PPF-Angebot und "die fortgesetzte Unterstützung des Vorstands und der Umsetzung seiner Strategie". Das Angebot sei nicht auf den Erwerb von Kontrolle an der Gesellschaft gerichtet und biete eine "bessere Alternative" zu dem in der vergangenen Woche von MFE veröffentlichen Übernahmeangebot. ProSiebenSat.1-Vorstandschef Habets sagte, PPF "ist ein langjähriger Investor von ProSiebenSat.1 und hat ein tiefes Verständnis für unser Geschäft". Man wisse "die Unterstützung von PPF für unsere Strategie der digitalen Transformation zu schätzen".

Nach der offiziellen Veröffentlichung der PPF-Angebotsunterlagen werden als nächster Schritt der Vorstand und der Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 ihre gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahmen abgeben. Ende Mai treffen die Aktionäre zu einer Hauptversammlung zusammen.

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