Die Betroffenenberatung Niedersachsen hat im vergangenen Jahr 68 neue Fälle rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt registriert. Dabei seien 84 Personen direkt betroffen gewesen, teilte die Einrichtung am Mittwoch mit. Sechs Angriffe, darunter ein Brandanschlag, waren laut Jahresstatistik 2024 antisemitisch motiviert. Insgesamt führte die Anlaufstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt mehr als 400 Beratungsgespräche.
In 61 Fällen seien Menschen angegriffen worden, „weil sie nicht ins rechte Weltbild passen“, hieß es. Bei 24 Angriffen sei das Haupttatmotiv „Rassismus“ gewesen. Opfer rechter Gewalt wurden den Angaben zufolge außerdem „politische Gegner“ (17), „Nicht-Rechte“ (7), „Menschen aus der LGBTQIA*-Community“ (9) sowie Wohnungslose (4).
Unter den Opfern rechter Gewalt waren laut Mitteilung mindestens 21 Minderjährige. „Sie wurden von Vermieter*innen, Nachbar*innen oder Mitschüler*innen massiv rassistisch bedroht, auf der Straße oder im Supermarkt angerempelt und sogar körperlich angegriffen“, sagte eine Sprecherin. Als Grund nannte sie eine allgemein sinkende Hemmschwelle und immer jüngere Täter, die sich vor allem in Südniedersachsen in rechten Gruppierungen organisierten.
Die Betroffenenberatung Niedersachsen wurde im Sommer 2020 eingerichtet und unterhält Beratungsbüros in Osnabrück, Nienburg und Hildesheim. Finanziert wird sie nach eigenen Angaben mit Mitteln des Bundesfamilienministeriums im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“, sowie mit Mitteln des Landes-Demokratiezentrums Niedersachsen (L-DZ) und des Landesjustizministeriums.