Die Intendantin der Berliner Filmfestspiele, Tricia Tuttle, hat sich klar gegen einen Boykott einzelner Filmschaffender oder Länder ausgesprochen. „Die Berlinale wird unter meiner Leitung jedenfalls niemals ein Land oder Menschen aufgrund ihrer Nationalität boykottieren“, sagte Tuttle dem Berliner „Tagesspiegel“ (Mittwoch/Print): „Ich glaube an die Kraft von kulturellem Austausch.“
In den vergangenen beiden Jahren hatte nach dem Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023 der Nahost-Konflikt bei der Berlinale wiederholt für Proteste von Künstlerinnen und Künstlern gesorgt. 2025 war die britische Schauspielerin Tilda Swinton mit einem Ehrenbär ausgezeichnet worden. Anschließend äußerte sie sich positiv zur israelkritischen BDS-Bewegung.
Die Berlinale findet vom 12. bis zum 22. Februar statt. Insgesamt sind dieses Jahr 276 Filme zu sehen. Zwei Preise stehen bereits fest: der Goldene Ehrenbär für Schauspielerin Michelle Yeoh und die Berlinale Kamera für den Komponisten Max Richter.
Tuttle betonte: „Unsere Werte bleiben bestehen, wir feiern die Unterschiede und kämpfen für Teilhabe.“ Ziel sei, dass „die Filme für sich sprechen“. „Unser Ziel ist es nicht, dem Publikum politische oder gesellschaftliche Botschaften aufzuzwingen“, sagte die Berlinale-Chefin.
Mit Blick auf den Gaza-Krieg sagte Tuttle: „Das letzte Jahr war herausfordernd für uns, denn es geht um einen Krieg und Konflikt, der so viele Menschen betrifft, der sie berührt, bewegt und verstört. Wir müssen damit umgehen“, betonte die Berlinale-Intendantin.