Von Charlotte Woldt
Momentan ist es recht einfach, das Pfarrhaus von Altglietzen zu finden: Vor dem Eingang thront eine große Engelsfigur. Auch vor vielen anderen Häusern entlang der Dorfstraße stehen große Puppen. Altglietzen feierte kürzlich sein 675-jähriges Bestehen. Selbst gebastelte Puppen stellen die Geschichte des Dorfes im Oderbruch direkt an der polnischen Grenze dar. Und natürlich war auch die Kirchengemeinde dabei. Viele Leute kamen neu, die man sonst eher nicht in der Kirche sieht, erzählt Pfarrerin Susanne Heine stolz. Sie ist seit zweieinhalb Jahren in Altglietzen und den dazugehörigen Gemeinden Hohensaaten, Neuenhagen und Neutornow tätig. Ein Kontrastprogramm. Zuvor war sie Pfarrerin in der Auferstehungsgemeinde in Berlin-Friedrichshain. Für sie ist die neue Gemeinde eine „vollkommen andere Welt“. Ein bisschen sei es hier noch wie in der DDR, die Menschen seien mehr aufeinander bezogen als in der Großstadt. Was idyllisch klingt, kann aber auch seine Kehrseiten haben. Neben einem stärkeren Gemeinschaftsgefühl stellt die Pfarrerin auch eine Form von ländlicher Anonymität fest: Man begegne sich kaum mehr im Dorf, da die Läden vor Ort und damit die sozialen Treffpunkte verschwunden sind. Das macht Kirche im ländlichen Raum wichtig: Sie ist einer der wenigen Orte im Dorf, an denen sich wirklich alle begegnen können. Den Oderbrüchler an und für sich charakterisiert Susanne Heine als eigen- und bodenständig. Teilweise lebten die Leute seit Generationen hier, aber natürlich zieht es immer wieder Menschen neu in die wunderschöne Gegend. Dieser Eindruck bestätigt sich: Für das Gespräch hat Susanne Heine sieben engagierte Frauen und Männer aus ihren Gemeinden in ihren Pfarrgarten zusammengetrommelt. Stolz erzählen sie von der Verbundenheit mit ihrer Gemeinde, von Hochzeiten, Taufen und Konfirmationen in „ihren“ Kirchen.
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